Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger hat in Neuburg und im gesamten Landkreis Bestürzung und Trauer ausgelöst. Als bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident war er nicht nur ein bekannter Politiker, sondern auch ein vertrautes Gesicht in der Region. Aiwanger, der erst vor kurzem beim Starkbierfest der Freien Wähler im Kolpinghaus für gute Stimmung sorgte, hinterlässt viele Menschen, die ihn als Freund und Unterstützer kannten.

Seine politischen Wurzeln reichen tief in die Region hinein. Klaus Brems, der langjährige Kommunalpolitiker aus Neuburg, war fassungslos über die Nachricht. Er und Aiwanger hatten eine lange gemeinsame Geschichte, die bis vor Aiwangers Übernahme des Landesvorsitzes der Freien Wähler im Jahr 2006 zurückreicht. Brems erinnert sich an viele Gelegenheiten, bei denen Aiwanger in Neuburg zu Gast war, sei es beim Neujahrsempfang oder bei politischen Veranstaltungen. „Ein Vollblutpolitiker, ein grundanständiger Mensch und ein Freund“, so beschreibt Brems Aiwanger, der immer bereit war, zu helfen, wenn man ihn um Unterstützung bat.

Ein Leben für die Heimat

Geboren am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach in Niederbayern, wuchs Aiwanger in einer Bauernfamilie auf und studierte Landwirtschaft. Nach seinem Abschluss als Diplom-Agraringenieur trat er 2008 in den bayerischen Landtag ein. Unter seiner Führung erlebten die Freien Wähler bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2023 deutliche Erfolge. Doch sein Tod, mit nur 55 Jahren, stellt nicht nur einen Verlust für die politische Landschaft dar, sondern vor allem für seine Familie, die in dieser schweren Zeit um ihn trauert.

Sein Engagement reichte weit über die Politik hinaus. Sissy Schafferhans, Mitglied des Freie-Wähler-Ortsverbands Neuburg, war tief betroffen vom Verlust ihres Freundes. Sie hatte Aiwanger erst vor zwei Wochen bei der Landesdelegiertenversammlung in Günzburg getroffen. „Er war immer da, wenn man ihn brauchte“, sagt sie. Aiwanger, der regelmäßig die Jagd- und Schützentage auf Schloss Grünau besuchte, verstand die Jagd nicht nur als Hobby, sondern auch als Beitrag zum Naturschutz. Als Jagdminister brachte er mehrere Gesetzesänderungen auf den Weg, die die Jagd in Bayern betreffen.

Ein unvergesslicher Eindruck

Die Nachricht von Aiwangers Tod kam, als er sich in Berlin befand, um ein Hauptstadtbüro der Freien Wähler zu eröffnen. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er sich von der Veranstaltung abgemeldet, und als er später nicht erreichbar war, wurde er leblos in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Die Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizei sollen die genauen Umstände klären, was für viele, die ihn kannten, noch unfassbarer macht.

Die Reaktionen auf seinen Tod sind vielfältig und zeugen von einem Menschen, der nicht nur in der Politik, sondern auch im Herzen vieler Menschen einen Platz hatte. Roland Weigert, Landrat und langjähriger Weggefährte Aiwangers, empfindet den Verlust als einen Schock. „Ein außergewöhnlicher Politiker, bodenständig und bürgernah“, beschreibt er Aiwanger und betont die Zäsur, die sein Tod für die Freien Wähler und für Bayern darstellt.

Ein schwieriger Schatten

Doch Aiwanger war nicht nur ein Politiker, der in die Herzen der Menschen eindrang. Die letzte Zeit seines Lebens war von einer Kontroverse geprägt, die ihn in ein schwieriges Licht rückte. Im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl im Oktober 2023 wurde ein antisemitisches Flugblatt in Verbindung mit seiner Schulzeit thematisiert. Diese Affäre warf Schatten auf seine politische Karriere und führte zu intensiven Diskussionen in der Öffentlichkeit.

Die politischen und sozialen Reaktionen auf diese Vorwürfe waren gemischt. Während einige ihn als Opfer einer Schmutzkampagne sahen, äußerten andere, darunter auch Vertreter jüdischer Gemeinden, tiefes Misstrauen und forderten eine Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit. Aiwanger selbst wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er habe das Flugblatt nicht selbst verfasst. Die Debatte um seine Person bleibt noch lange nach seinem Tod ein Thema, das die Gesellschaft beschäftigt.

Jetzt, wo wir Aiwanger nach seinem Tod gedenken, bleibt die Erinnerung an einen Mann, der immer für seine Heimat und die Menschen, die ihm am Herzen lagen, gekämpft hat. In Neuburg und darüber hinaus wird sein Verlust spürbar sein, und die Gemeinschaft wird sich an die vielen Momente erinnern, die er uns geschenkt hat.