Gestern, am 18. Mai 2026, hat das Klinikum Garmisch-Partenkirchen eine spannende, wenn auch ernste Übung durchgeführt: den Massenanfall kontaminierter Patienten. Zusammen mit der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und dem Gesundheitsamt wurde ein Szenario durchgespielt, das auf den ersten Blick wie aus einem Katastrophenfilm wirkt. Eine defekte Biogasanlage, die gefährliche Stoffe freisetzt, verletzt mehrere Personen – ein Albtraum für jede Notfallorganisation.
Insgesamt waren über 60 Teilnehmer bei dieser Übung dabei, darunter auch viele, die sich in Ganzkörperschutzanzügen bewegten. Zehn „Verletzte“ wurden im Rahmen dieser Übung dekontaminiert, während die Unterscheidung zwischen „schwarzen Patienten“ (kontaminiert) und „weißen Patienten“ (nicht kontaminiert) von entscheidender Bedeutung war. Dr. Ludwig Rauch, der leitende Oberarzt, hob die immense Wichtigkeit solcher Übungen in Deutschland hervor. Alarmiert wurde gegen 18:30 Uhr, und die initiale Anzahl der betroffenen Personen war zu Beginn noch unklar.
Praktische Abläufe und Herausforderungen
Das Bayerische Rote Kreuz richtete vor dem Klinikum ein Dekontaminationszelt ein, wo die Patienten gesichtet, registriert und dekontaminiert wurden, bevor sie ins Krankenhaus gebracht werden konnten. Dabei kam es zu einer realitätsnahen Darstellung der Lage: Einige „Patienten“ liefen auf eigenen Füßen, andere wurden von besorgten Privatpersonen gebracht. Die Dekontamination ist nicht nur wichtig, um gefährliche Stoffe zu entfernen, sondern auch, um das Klinikpersonal zu schützen.
Nach rund 1 Stunde und 20 Minuten waren alle zehn Patienten versorgt. Ein separater Isolationszugang für kontaminierte Patienten, der während der Corona-Zeit eingerichtet wurde, erweist sich nun als äußerst hilfreich. Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen wurde durchweg positiv hervorgehoben – was für ein Teamgeist!
MANV-Konzepte und ihre Bedeutung
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass es regionale Unterschiede in den MANV (Massenanfall von Verletzten) Konzepten gibt. Die allgemeine Vorgehensweise sieht vor, dass Patient:innen nach einer schnellen Lagebeurteilung zügig abtransportiert werden. Aber Vorsicht: Transportstopps können die Behandlung kritischer Patient:innen verzögern. Hier kommt das PEST-Schema (nach Marc Hübner, Münster) ins Spiel, das den Einsatzkräften hilft, die Chaosphase zu strukturieren und erste Maßnahmen einzuleiten.
Triage ist ein weiterer wichtiger Punkt – die zügige Priorisierung von Patient:innen nach Verletzungsschwere. Die erste Triage muss schnell erfolgen, und es gibt verschiedene Methoden wie die Ten Second Triage oder mSTART. Bei der Ten Second Triage geht es darum, anhand fünf einfacher Fragen schnell zu entscheiden, in welche Kategorie ein Patient fällt. Diese Kategorien reichen von „rot“ (vital bedroht) bis „schwarz“ (verstorben). Und das Wichtigste: Die Einschätzung der „roten Patient:innen“ ist entscheidend für den Soforttransport und die Überlebenschancen.
Alles in allem zeigt die Übung im Klinikum Garmisch-Partenkirchen, wie wichtig solche Notfallübungen sind, um im Ernstfall schnell und effizient handeln zu können. Die Kombination aus theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung macht den Unterschied – gerade in einer Region, wo der Berg ruft und die Natur ihre eigenen Herausforderungen stellt.