In Mittenwald, einem kleinen Juwel in den bayerischen Alpen, hat sich ein einzigartiger Ort der Ruhe und Besinnung etabliert. Am 17. Mai 2021 öffnete der erste Naturfriedhof der Bayerischen Staatsforsten seine Pforten – der „Stille Wald Mittenwald“. Auf 31 Hektar, umgeben von majestätischen Bäumen und atemberaubendem Bergpanorama, haben seitdem rund 300 Menschen ihren letzten Ruheplatz gefunden. Wenn man durch diesen Wald schlendert, spürt man förmlich die Stille, die die Seele umhüllt und zum Innehalten einlädt.
Christine Klotz und Matthias Wurmer kümmern sich um die Beisetzungen und die Betreuung der Trauernden. Der 51-jährige Matthias, gelernter Schreiner, ist seit dem 1. März 2021 im „Stillen Wald“ tätig. Gemeinsam mit Christine, die 37 Jahre alt ist, haben sie die Verantwortung, dass alles in den besten Bahnen verläuft. Wöchentlich finden hier etwa drei Beisetzungen statt, mit einem spürbaren Anstieg der Nachfrage seit Herbst 2025. Die Trauerfeiern sind nicht nur Abschiede, sondern auch eine Art von Feier des Lebens, die in der malerischen Kulisse des Wettersteinmassivs einen ganz eigenen Charakter annehmen.
Ein Ort des Gedenkens
Die Beisetzungen im „Stillen Wald“ erfolgen in biologisch abbaubaren Urnen, die in einer Tiefe von 80 cm im Erdreich versenkt werden. Hier gibt es verschiedene Grabarten, die es den Trauernden ermöglichen, einen persönlichen Ort des Gedenkens zu wählen. Ob Familienbaum, Partnerplätze oder Gemeinschaftsbäume – die Optionen sind vielfältig. Besonders rührend ist der „Sternschnuppenbaum“, der für Föten und Kinder bis drei Jahre eine kostenfreie Ruhestätte bietet. Das zeigt, wie sensibel und mitfühlend dieser Ort gestaltet wurde.
Die Kosten für die Grabplätze variieren, von 0 bis zu 17.100 Euro, je nach Art und Lage des Platzes. Dazu kommt ein Bestattungsentgelt von 990 Euro. So kann jeder, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten, einen Platz in diesem stillen Wald finden. Die Ruhezeiten können zwischen 25 und 50 Jahren gewählt werden, was den Hinterbliebenen die Flexibilität bietet, die sie benötigen. Wer sich für einen Familienbaum entscheidet, kann bis zu zehn Ruhestätten an einem Baum haben – eine schöne Möglichkeit, als Familie zusammen zu bleiben, selbst über den Tod hinaus.
Einzigartige Bestattungsrituale
Der Ablauf einer Beisetzung ist geprägt von einem persönlichen Vorgespräch, das mit einem Bestattungsinstitut geführt wird. Am Andachtsplatz wird die biologisch abbaubare Urne bereitgestellt, und die Trauergäste haben die Gelegenheit, sich von ihrem Verstorbenen zu verabschieden. Blumen oder Blüten dürfen, aber keine gebundenen Kränze oder Kerzen. Das ist eine bewusste Entscheidung, um die Natürlichkeit des Ortes zu bewahren. Hier wird auf die Umwelt geachtet, und das zeigt sich nicht nur in der Auswahl der Urnen, sondern auch in der gesamten Gestaltung des Friedhofs.
Besonders erfreulich ist die Erreichbarkeit des „Stillen Waldes“. Feste Wege und Parkplätze sorgen dafür, dass Trauergäste problemlos zu den Beisetzungen kommen können. Ein überdachter Andachtsplatz bietet zudem Schutz vor den Launen des Wetters. Es ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein Raum, in dem Erinnerungen lebendig gehalten werden können.
Wer möchte, kann sich bereits zu Lebzeiten eine Ruhestätte im „Stillen Wald“ sichern und somit für eine unbeschwerte Zukunft sorgen. Zudem gibt es regelmäßig öffentliche Führungen, die den Interessierten einen Einblick in die Philosophie und die Angebote des Friedhofs geben. In einer Zeit, in der viele Menschen nach alternativen Bestattungsformen suchen, bietet der „Stille Wald Mittenwald“ eine naturnahe, respektvolle und nachdenkliche Art, mit dem Thema Abschied umzugehen.