Heute ist der 22.05.2026, und während wir in Freising die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres genießen, bahnen sich in ganz Deutschland eine Vielzahl von Christopher-Street-Days (CSD) an. In diesem Jahr stehen sage und schreibe 250 CSDs auf dem Plan – eine Rekordzahl! Besonders die großen Städte wie München, Köln und Berlin werden im Juni und Juli zum Schauplatz bunter Paraden, die für Vielfalt und Toleranz stehen. Doch die Vorfreude wird von einer dunklen Wolke überschattet: Die Angst vor Angriffen auf diese Pride-Paraden wächst in der queeren Community.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Sorge nicht unbegründet ist. Laut einem Sicherheitsreport der Amadeu Antonio Stiftung wurde im vergangenen Jahr jeder zweite CSD von Übergriffen begleitet. Diese reichten von verbalen Beleidigungen bis hin zu körperlichen Attacken, oft initiiert von rechtsextremen Gruppierungen. Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung beschreibt diese Übergriffe als strategische Eskalation. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch die Lambda Bundesvorstand warnt, dass eine abnehmende Sichtbarkeit der queeren Community den Angreifern mehr Raum gibt, um ihre Hassideologien zu verbreiten.

Ein Aufruf zur Solidarität

In dieser angespannten Zeit ist es wichtiger denn je, dass die queere Community zusammenhält. Der LSVD+ (Lesben- und Schwulenverband Deutschlands) fordert ein Ende des sicherheitspolitischen Staatsversagens, wenn es um die Bekämpfung von Hasskriminalität geht. Andre Lehmann, ein Vertreter des LSVD+, hebt hervor, wie entscheidend die CSDs als Zeichen für Vielfalt sind. Politische Maßnahmen zum Schutz queerer Menschen sind unerlässlich – schließlich sind CSDs nicht nur Feierlichkeiten, sondern auch Plattformen für politischen Druck und Sichtbarkeit.

Die CSD-Organisationsteams arbeiten intensiv an Sicherheitskonzepten und kooperieren eng mit Sicherheitsbehörden. Es gibt bereits positive Beispiele, wo gewaltbereite Personen von der Polizei gestoppt werden konnten. Dennoch bleibt der Appell der Lambda an junge queere Menschen, sich nicht alleine zu CSDs zu begeben und Unterstützung zu suchen. Erfahrene Mitglieder der Community sind gefragt, Verantwortung zu übernehmen und jüngeren, oft verunsicherten Menschen zur Seite zu stehen.

Eine besorgniserregende Entwicklung

Der Anstieg queerfeindlicher Straftaten in Deutschland ist alarmierend. Im Jahr 2023 wurden über 17.000 Fälle von Hasskriminalität erfasst, davon richteten sich fast 1.800 gegen LSBTIQ. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr, und die Dunkelfeld-Studie „A long way to go for LGBTI equality“ zeigt, dass ein Großteil der Betroffenen Übergriffe nicht anzeigt. Gründe hierfür sind oft das Gefühl, dass die Taten nicht ernst genug sind, oder die Angst vor homo- oder transphoben Reaktionen der Polizei. Das ist ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss.

Das Bundeskriminalamt (BKA) setzt sich aktiv gegen diese Entwicklungen ein und hat Programme zur Kriminalprävention ins Leben gerufen. Darüber hinaus gibt es ein internes queeres Netzwerk im BKA, das die Belange von LSBTIQ besonders in den Fokus nimmt. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie wurde sogar die Regenbogenflagge gehisst, ein starkes Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung.

In diesen Zeiten, in denen rechtspopulistische Strukturen erstarken, sind die CSDs 2026 umso relevanter. Sie sind nicht nur ein Fest der Farben, sondern auch ein Aufruf zur Solidarität und ein Zeichen des Widerstands gegen jede Form von Hass. Lassen wir uns von der Angst nicht lähmen, sondern zeigen wir, dass wir bunt sind und bleiben wollen!