In Dorfen, einem charmanten Ort in Bayern, stehen die Zeichen auf Veränderung. Die Bahn hat die Planungen für den zweigleisigen Ausbau der Strecke abgeschlossen, und das sorgt nicht nur für Aufregung, sondern auch für eine ganze Menge Diskussionen. Bis zum 15. Mai haben Stadt und betroffene Bürger die Möglichkeit, ihre Einwendungen einzureichen. Eine Frist, die drängt – es gibt schließlich einige Punkte, die im Stadtrat kritisch betrachtet wurden. Von der Erschließung großer Baugebiete über geplante Brückenbauwerke bis hin zu mutmaßlich fehlerhaften Lärmschutzberechnungen: Die Liste ist lang.
Besonders im Fokus steht die Planung eines urbanen Baugebiets auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Meindl, das Platz für über 1400 neue Bewohner bieten soll. Das klingt vielversprechend, doch die Bahnlinie könnte dieses Baugebiet vom Stadtzentrum abtrennen. Eine Anbindung, die diesen Namen auch verdient, ist nicht vorgesehen. Stattdessen ist lediglich ein sechs Meter breiter „Rettungsweg“ geplant – keine Querung für Fußgänger, keine Unterführung, nichts. Das lässt die Stadt nicht kalt. Der Bauamtsleiter Franz Wandinger und die Stadtplanerin Martina Schneider hatten die umfangreiche Dokumentation von 3400 Seiten als schwer nachvollziehbar kritisiert. Ein Punkt, den viele nur zu gut nachvollziehen können.
Brücken und Barrieren
Ein weiteres Thema, das die Gemüter erhitzt, ist das geplante bis zu acht Meter hohe Brückenbauwerk im Ortsteil Wasentegernbach. Es stellt nicht nur eine Herausforderung für das Ortsbild dar, sondern auch für die Barrierefreiheit. Die Gleise sollen dort nur um 80 Zentimeter abgesenkt werden, um Hochwassergefahren zu begegnen – aber das sorgt für eine Fußgängerverbindung mit einer Steigung von 12 Prozent. Wer da nicht fit ist, hat ein echtes Problem. Und die Stadt fordert eine Tieferlegung der Gleise. Ein verständlicher Wunsch, denn die Brücke könnte Wasentegernbach in Nord- und Südteil trennen und das würde die Nachbarschaft nicht gerade zusammenbringen.
In Rutzmoos stehen ebenfalls Veränderungen an: Ein Sportareal und das Baugebiet Mooswiesen sind geplant, jedoch ohne einen Satzungsbeschluss. Die Bahn ist daher nicht verpflichtet, Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen – stattdessen müsste die Stadt diese auf eigene Kosten realisieren. Die Bedenken der Anwohner scheinen hier in den Hintergrund gedrängt zu werden. Ein geplanter 900 Meter langer Überführungsbau wird als enormer Flächenverbrauch angesehen, und die Zweifel an den Lärmschutzberechnungen der Bahn sind nicht unbegründet. Abweichende Messungen zeigen lokale Pegelwerte von drei bis fünf dB(A), und die Stadt hat bereits eine eigene Überprüfung in Auftrag gegeben.
Ein Blick in die Zukunft
Die Stadt Dorfen steht also vor einem Dilemma. Unterstützt wird die grundsätzliche Idee des zweigleisigen Ausbaus mit Elektrifizierung der Ausbaustrecke 38 (ABS 38), die eine Verbesserung der Strecke zwischen München, Mühldorf und Freilassing zum Ziel hat. In einer Online-Informationsveranstaltung am 10. Dezember 2025 wird es weitere Informationen zu den geplanten Maßnahmen geben. Projektleiter Michael Feigl hat bereits die Vision eines neuen barrierefreien Bahnhofs in Dorfen skizziert, der östlicher als der bisherige liegen und zwei Mittelbahnsteige mit vier Gleisen bieten soll. Ein Schritt in die richtige Richtung, denkt man da.
Doch auch hier bleiben Fragen offen. Der Zugang zum neuen Bahnhof soll zunächst von Norden über eine Unterführung erfolgen, der Südzugang ist allerdings in Planung. Schallschutzmaßnahmen, darunter überwachte Gleise und Schallschutzwände, sind ebenfalls Teil des Projekts – bis zu sechs Meter hoch in bestimmten Bereichen. Die Bahn übernimmt die Kosten für Schallschutzfenster, wo gesetzliche Grenzwerte nicht eingehalten werden können. Aber das alles ist noch Zukunftsmusik. Der erste Spatenstich wird voraussichtlich Ende der 2020er Jahre im Nachbarabschnitt 1.4 erfolgen, mit einer Gesamterledigung des Projekts in den 2030ern. Da bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.
So bleibt zu hoffen, dass alle Bedenken der Bürger Gehör finden und man gemeinsam an einer Lösung arbeiten kann, die sowohl den Bauvorhaben als auch den Bedürfnissen der Dorfbewohner gerecht wird. Denn am Ende wollen wir doch alle nur ein Stückchen Heimat, in dem man sich wohlfühlt.