Heute ist der 10.05.2026, und in Herrsching an den malerischen Ufern des Ammersees gibt es Grund zum Feiern. Anlässlich des 1250-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes, damals noch als Horscaningun bekannt, hat Dr. Hartmut Lauffer einen Vortrag im Kurparkschlösschen gehalten. Seit über zehn Jahren ist der Wissenschaftler auf der Spur der Herkunft dieses faszinierenden Ortsnamens und hat dabei so manche spannende Entdeckung gemacht.
Die erste Erwähnung geht auf das Jahr 776 zurück, in einer Schenkungsurkunde, die die Adelskirche im Archäologischen Park ins Spiel bringt – sie stammt sogar aus dem Jahr 630. Wer hätte gedacht, dass Herrsching, dieser idyllische Ort, bereits zu Zeiten der Adelskirche als Horscaningun bekannt war? Lauffer vermutet, dass der Name von einem Anführer namens Horscan, der möglicherweise der Adelssippe der Huosi angehörte, abgeleitet ist. Das klingt nicht nur mysteriös, sondern gibt auch einen spannenden Einblick in die Vergangenheit – man kann sich richtig vorstellen, wie hier einst Menschen lebten und sich versammelten.
Ein Blick in die Geschichte
Lauffers Vortrag, der etwa 40 Zuhörer begeisterte, beleuchtet auch die verschiedenen Schreibweisen des alten Namens, die ohne „s“ als „Abschreibfehler“ betrachtet werden. Der Name hat sich über die Jahrhunderte hinweg gewandelt – von Horscaningun über Horscheningen und Horschingen bis hin zu dem heutigen Herrsching. Die Bedeutung von Horsc, was so viel wie schnell, gewandt und scharfsinnig bedeutet, lässt uns erahnen, dass Horscan vielleicht ein besonders bemerkenswerter Charakter war – ein echter Kopf, sozusagen.
Doch der Vortrag war nicht das einzige Highlight des Tages. Der Verein für Archäologie und Geschichte, der 1982 gegründet wurde, hat sich mit viel Engagement der Erforschung und dem Erhalt der Geschichte Herrschings verschrieben. Besonders spannend sind die jüngsten Entdeckungen bei Friedhofserweiterungsarbeiten – Tuffstein und Skelettreste wurden gefunden, die auf einen baiovarischen Adelsfriedhof hinweisen. Und auch das Fundament einer der ältesten Kirchenbauten Bayerns hat die Neugier der Archäologen geweckt. Der Archäologische Park, der seit 1996 eröffnet ist, bietet einen lebendigen Einblick in die anderthalb Jahrhunderte alte Geschichte des Ortes. Wer könnte da widerstehen, bei einem sonntäglichen Spaziergang die Spuren der Vergangenheit zu erkunden?
Ein Ort mit Geschichte
Ein weiterer Aspekt, der ans Licht kommt, ist der mögliche Zusammenhang zwischen Isanhart, dem Stifter in der Schenkungsurkunde, und Horscan, dem Namensgeber. Es gibt Hinweise, die darauf hindeuten, dass Horscaningun einst ein politisches Machtzentrum war. Ausgrabungsfunde legen nahe, dass hier bedeutende Ereignisse stattfanden – wir reden hier nicht nur von kleinen Ansiedlungen, sondern von einem Ort, der eine Rolle in der Geschichte gespielt hat.
Die Begeisterung für die Geschichte Herrschings ist spürbar, und der Verein plant im Jubiläumsjahr weitere Einzelvorträge. Es ist schön zu sehen, wie die Gemeinde zusammenkommt, um die Wurzeln ihrer Heimat zu erforschen und zu feiern. Und während die Besucher im Archäologischen Park auf Entdeckungsreise gehen, bleibt das Gefühl, dass Herrsching weit mehr ist als nur ein hübsches Fleckchen Erde am Ammersee – es ist ein Ort voller Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.
Die Adresse des Archäologischen Parks ist übrigens Reineckestraße 16c – ein Geheimtipp für alle, die sich für die Vergangenheit der Region interessieren. Wenn der Sonntag ruft, warum nicht einfach mal hineinschnuppern? Herrsching hat viel zu bieten!