Heute ist der 10.05.2026, und in Regensburg brodelt die Theaterlandschaft. Am Staatstheater wird die Opernfassung von Stephen Kings „The Shining“ aufgeführt – ein echtes Highlight, das die Zuschauer in den Bann zieht. Regisseur Sebastian Ritschel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die schaurige Geschichte von Jack Torrance, seiner Frau Wendy und dem kleinen Danny, die in das abgelegene Overlook Hotel in Colorado ziehen, auf die Bühne zu bringen. In diesem Hotel, wo die Isolation und unheimliche Geschehnisse an der Tagesordnung sind, wird nicht nur der Geist des missbräuchlichen Vaters von Jack lebendig, sondern auch die Psyche der Familie auf die Probe gestellt.
Die Inszenierung kommt ohne Nacktheit aus – eine Entscheidung, die sowohl den Komponisten Paul Moravec als auch den Textdichter Mark Campbell beruhigte. Ritschel legt Wert auf Gegenständlichkeit im Libretto, was bedeutet, dass die Zuschauer nicht mit abstrakten Ideen konfrontiert werden, sondern mit einer greifbaren, spannenden Erzählung, die den Nervenkitzel der Geschichte einfängt. Die raschen Szenenwechsel zeigen verschiedene Räume des Hotels, was dem Publikum ermöglicht, direkt in die düstere Atmosphäre einzutauchen.
Ein packendes Erlebnis
Die Musik von Moravec ist ein weiteres Highlight: Sie entfaltet kontrastierende Klangwelten, die die „natürlichen“ und „übernatürlichen“ Elemente der Geschichte unterstreichen. Der mystische Chor, der in vielen Szenen zu hören ist, sorgt für ein unheimliches Raunen, das die Zuschauer in seinen Bann zieht. Hier trifft das Gespenster-Thema auf die Herausforderungen der Darsteller, die in dieser faszinierenden und zugleich furchterregenden Welt agieren müssen. Hauptdarsteller Carl Rumstadt als Jack Torrance bringt eine kraftvolle Leistung und wird von Theodora Varga (Wendy) und Vitus Heumüller (Danny) eindrucksvoll unterstützt. Generalmusikdirektor Stefan Veselka sorgt mit seinem Orchester für eine dichte, emotional aufgeladene Klanglandschaft.
Die Geschichte selbst, die sich um den psychischen Verfall von Jack und die Hellseherei seines Sohnes dreht, entwickelt sich zu einem packenden Thriller. Danny erkennt schnell, dass sie im Hotel nicht allein sind – und das ist nur der Anfang einer spannenden und teils schockierenden Reise. Die Oper geht über den klassischen Horror-Roman hinaus und bietet eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen geistige Gesundheit und Überleben. Ritschel meidet den Begriff „Horror-Roman“ und bezeichnet die Geschichte stattdessen als Thriller – eine kluge Entscheidung, die das Publikum auf neue Weise anspricht.
Ein Publikumserfolg
Obwohl die Inszenierung einige Parodien, unter anderem auf Alfred Hitchcocks „Psycho“, enthält, bleibt sie insgesamt ein unterhaltsames Erlebnis, das die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregt. Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor hat sich als Publikumserfolg erwiesen. Die Vermeidung von Provokationen und die Entscheidung, die Bühne nicht mit nackten Tatsachen zu überladen, zeigen, dass hier Wert auf die Geschichte selbst gelegt wird.
Die Uraufführung dieser Oper fand bereits 2016 im Ordway Music Theater in Saint Paul, Minnesota, statt. Doch die Regensburger Inszenierung bringt frischen Wind und eine einzigartige Interpretation, die das Publikum in den Bann zieht. Die künstlerische Handschrift von Ritschel und Bühnenbildner Sam Madwar wird im gesamten Stück spürbar, und die Zuschauer können sich auf ein unvergessliches Erlebnis freuen, das sie nicht so schnell vergessen werden. Wer sich in die düstere Welt des Overlook Hotels wagen möchte, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen – es könnte eine Reise ins Unbekannte werden!