Am Gymnasium Gars wird Erinnerungsarbeit ganz groß geschrieben. Seit nunmehr zehn Jahren gibt es dort das P-Seminar „Schüler führen Schüler“. Ein ganz besonderes Projekt, das in Kooperation mit dem Verein „Für das Erinnern“ ins Leben gerufen wurde. Das Ziel? Schüler zu Guides am Bunkerbogen in Mühldorf-Hart auszubilden und dabei die dunklen Kapitel der NS-Zeit lebendig zu halten. Wie wichtig das ist, zeigt nicht nur die Geschichte, sondern auch das Engagement der jungen Menschen, die mit viel Herz und Hingabe dabei sind.

Die Anfänge des Seminars gehen auf die Oberstufenreform von 2009 zurück. Damals wurde es zur Pflicht, zwei Seminare in der Oberstufe zu wählen. Franz Langstein von „Für das Erinnern“ hat die Zusammenarbeit mit den Landkreisgymnasien angestoßen, um Projekte zur Erinnerung an die NS-Verbrechen zu initiieren. Martin Göller, der Studiendirektor am Gymnasium Gars, hat das P-Seminar gegründet und es seither stetig weiterentwickelt. Ein wichtiger Schritt, denn die unmittelbare Begegnung mit Gedenkorten, so Göller, hinterlässt einen viel tiefergehenden Eindruck als der Besuch einer großen Gedenkstätte wie Dachau.

Bedeutung der Erinnerungsarbeit

Der Gedanke, dass die NS-Zeit zur Geschichte Deutschlands gehört und für unser heutiges Leben und die Zukunft von Bedeutung ist, wird im Seminar lebendig. Viele Menschen haben in dieser dunklen Zeit schreckliches Leid erfahren, und das Gedächtnis daran soll uns alle davor bewahren, dass sich solche Verbrechen wiederholen. Gedenkstätten sind dabei unverzichtbare Orte des Gedenkens, der Trauer und des Lernens. In Deutschland gibt es zahlreiche Gedenkstätten, die über die Verbrechen des Nationalsozialismus informieren und das Bewusstsein für die Menschlichkeit, Menschenwürde und Toleranz fördern.

Die Schüler des P-Seminars werden nicht nur mit historischem Wissen ausgestattet, sondern auch mit rhetorischen Fähigkeiten, die ihnen helfen, eigenständig Führungen durchzuführen. Dazu gehört eine ganztägige Führung durch Fachleute des Vereins sowie das Studium relevanter Fachliteratur. Am Ende steht eine benotete „Prüfungsführung“ und ein Zertifikat des Vereins. Viele der Teilnehmer bleiben dem Verein als Führer treu oder werden Multiplikatoren für das Thema, was zeigt, wie nachhaltig dieses Projekt ist.

Eine lebendige Erinnerungskultur

Die Führungen werden mittlerweile in gemischten Altersgruppen durchgeführt, was positive Rückmeldungen erhält. Es ist einfach schön zu sehen, wie junge Menschen gemeinsam lernen und sich austauschen. Die Stolpersteine, kleine Gedenktafeln aus Messing, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, sind ebenfalls Teil dieser lebendigen Erinnerungskultur. Über 75.000 Stolpersteine gibt es mittlerweile in mehr als 20 Ländern, und sie sind ein eindrückliches Zeichen dafür, dass wir die Vergangenheit nicht vergessen dürfen. Der Künstler Gunter Demnig hat die Stolpersteine initiiert, um das Gedächtnis an die Opfer wachzuhalten, und es ist wichtig, dass wir auch in Zukunft solche Initiativen unterstützen.

Am 6. Mai 2026 in Mühldorf am Inn zeigt sich einmal mehr, wie wichtig das Gedenken ist. Die Schüler des Garser Gymnasiums halten bei der diesjährigen Gedenkfeier Reden und erinnern an die Verbrechen der Vergangenheit. Es ist ein Moment, der bewegt und zum Nachdenken anregt. Wer hätte gedacht, dass ein solches Seminar, das vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, so viele Menschen berühren und zum Handeln anregen kann? Die Geschichte ist nicht nur Vergangenheit, sie ist Teil unserer Identität und unseres Miteinanders.