Heute ist der 20.05.2026, und in Miesbach dreht sich alles um die Almen und die Herausforderungen, die mit ihrer Erschließung einhergehen. In einer Sitzung des Fischbachauer Gemeinderats stellten Experten vom AELF das geplante Erschließungsprojekt für die Benzing- und Jägerbauernalm vor. Ein Thema, das die Gemüter bewegt und die Herzen der Anwohner berührt. Denn Gerüchte sind schnell verbreitet, und so will man der Online-Petition „Rettet den Jägerkamp“ des DAV den Wind aus den Segeln nehmen. Diese Petition warnt nämlich vor einer möglichen Beeinträchtigung des Lebensraums und einer Ausweitung des Wildschutzgebiets – Themen, die in der Region nicht auf taube Ohren stoßen.
Die Geschichte der Erschließung ist nicht neu. Bereits seit 60 Jahren gibt es den Wunsch nach besseren Zugängen für die Benzingalm, die auf 1600 bis 1700 Metern Höhe thront und von 24 Rindern bevölkert wird. Die Jägerbauernalm, etwas tiefer gelegen zwischen 1470 und 1640 Metern, ist Heimat für 33 Rinder. Der aktuelle Zugang über einen schmalen Steig ist für die Tierhaltung alles andere als ideal. Hier soll die geplante Trasse Abhilfe schaffen, die über eine bestehende 1,8 Kilometer lange Forststraße und einen 400 Meter langen Rückeweg führt. Ein wenig mehr Platz für die Viehhaltung – das klingt doch nach einer guten Idee!
Die Details der Trasse
Die Trasse zur Benzingalm erstreckt sich über 1,7 Kilometer, wobei 1,3 Kilometer durch schützenswerten Naturwald führen. Die Route zur Jägerbauernalm ist mit 1,3 Kilometern etwas kürzer, kreuzt aber nur an drei Stellen den Wanderweg – das ist doch schon mal ein Pluspunkt, um die Wanderer nicht zu sehr zu stören. Die Breite der Trasse sieht 3,5 Meter im Wald und 2,5 Meter außerhalb vor, mit zusätzlichen Banketten, damit alles schön ordentlich bleibt. Das Projekt hat ein Preisschild von etwa 300.000 Euro, und man hat sogar eine genehmigte Variante direkt am Wanderweg verworfen, um diesen nicht zu belasten. Manchmal ist weniger eben mehr.
Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Die geplante Trasse durchschneidet sensible Bereiche, was ein langwieriges Genehmigungsverfahren nach sich ziehen könnte. Frühestens 2027 oder 2028 wird mit einer Genehmigung gerechnet. Und so ist die Frage der Öffentlichkeitsbeteiligung im Genehmigungsverfahren ein heißes Eisen – es ist vorgesehen, dass die Bevölkerung nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen wird. Kritiker der Erschließung haben sich bereits zu Wort gemeldet, aber einige Gemeinderatsmitglieder appellierten an sie, die Unterschriftensammlung zu stoppen. Ein bisschen mehr Dialog wäre hier vielleicht nicht verkehrt.
Almwirtschaft und Biodiversität
Die Almwirtschaft in den Bayerischen Alpen ist nicht nur ein Stück Tradition, sondern auch ein bedeutendes Zentrum der Artenvielfalt. Die jahrtausendelange Nutzung hat eine Vermengung von Tier- und Pflanzenarten zur Folge gehabt, und die Offenlandlebensräume gehören zu den artenreichsten Deutschlands. Doch die Almwirtschaft ist in Gefahr. Viele Almbauern können nur noch im Nebenerwerb wirtschaften, was die Erhaltung der Almen und deren Offenheit erschwert. An vielen Stellen droht das Zuwachsen der Flächen, was für die Artenvielfalt fatal wäre.
Besonders betroffen sind seltene Tagfalter wie der Wundklee-Bläuling, der auf mageren Grashängen der Kalkalpen angewiesen ist. Ein Biodiversitätsprojekt zwischen 2012 und 2017 hat die biologische Vielfalt der oberbayerischen Almregion erfasst und „Hotspots“ der Biodiversität identifiziert. Artenschutzkonzepte, die auf aktuellen Erhebungsdaten basieren, werden von Landschaftspflegeverbänden umgesetzt, um die Almen zu schützen und zu erhalten. Maßnahmen zur Verbesserung der Almflächen, wie mehrmalige Mahd der Adlerfarn-Bestände, kontrollierte Entbuschung und Monitoring, sind unerlässlich. Die untere Naturschutzbehörde Miesbach hat hier bereits erfolgreich Maßnahmen fortgeführt.
Wenn man durch die Region wandert, spürt man förmlich die Verbindung zwischen Mensch und Natur. Die Almen sind nicht nur Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein Teil unserer Kultur. Die Vielfalt der Vegetation, mit bemerkenswerten Pflanzenarten wie dem Lappländischen Knabenkraut und der Gamander-Sommerwurz, ist ein Zeichen dafür, wie wichtig es ist, diese Landschaften zu schützen. Vielleicht gelingt es mit dem neuen Erschließungsprojekt, ein Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Erholung zu finden – denn das wäre für alle Beteiligten ein Gewinn.