Heute ist der 21.05.2026 und in der Stadtbücherei Erding hat ein ganz besonderer Vortrag stattgefunden. Organisiert in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk Erding, hat der Sprachwissenschaftler und Münchener Allrounder Andy Kuhn die Zuhörer auf eine spannende Reise durch die Achtsamkeit in der Sprache mitgenommen. Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte, denn wie wir sprechen, beeinflusst nicht nur unser Miteinander, sondern auch, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.
In einem Raum mit 35 aufmerksamen Zuhörern hat Kuhn das Augenmerk auf problematische Begriffe gelegt, die nicht mehr zeitgemäß sind. Begriffe wie „Negerkuss“ und „Zigeunersoße“ stehen im Fokus, und Kuhn hat eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig es ist, Menschen zu fragen, wie sie genannt werden möchten. Als Beispiel brachte er die Schokoküsse ins Spiel und schlug die alternative Bezeichnung „Bumskopf“ vor – ein Begriff, der die kulturelle Sensibilität auf humorvolle Weise trifft.
Die Macht der Sprache
Der Referent beleuchtet auch die historische Dimension von Begriffen wie Sarotti-Mohr oder Mohrenapotheke, die wir heute mit einem gewissen Unbehagen betrachten. Es geht nicht nur um Worte, sondern auch um die Glaubenssätze, die wir transportieren. Im Kita-Alltag, so erläutert eine weitere Quelle, können selbst kleine Äußerungen von Erziehern wie „Ist doch nicht so schlimm!“ negative Botschaften an Kinder senden. Das beeinflusst deren Selbstbild und kann zu einem Gefühl führen, dass das, was sie fühlen, falsch ist. Ein Gedanke, der uns zum Nachdenken anregen sollte!
Kuhn regte an, dass wir uns auch mit den Klischees in der Gesellschaft auseinandersetzen sollten. Faschingskostüme, die auf stereotype Darstellungen von Kulturen basieren, haben in einer modernen, vielfältigen Gesellschaft nichts mehr verloren. Hier sind alternative Begriffe gefragt, wie „Weltmusik“ anstelle von „Gypsy“ oder spezifische Stammesbezeichnungen, die den Respekt vor Vielfalt unterstreichen.
Achtsamkeit und Selbstreflexion
Sprachliche Achtsamkeit wird immer wichtiger, besonders in politischen Zeiten, die von Spaltung und Misstrauen geprägt sind. Kuhn empfielt, beim Kennenlernen nicht gleich nach der Herkunft zu fragen, sondern das Gespräch auf die Sprache zu lenken, die jemand spricht. Ein feiner, aber bedeutender Unterschied, der Wertschätzung ausdrückt. Hier wird deutlich, wie sehr unsere Haltung Einfluss auf unsere Kommunikationsmuster hat.
In der Weiterbildung von Fachkräften, beispielsweise in der Arbeit mit Kindern, spielt dies eine zentrale Rolle. Die eigene Haltung der Erzieher beeinflusst die Botschaften, die sie an Kinder senden. Positive Formulierungen wie „Ich bin gut!“ oder „Ich kann etwas erreichen!“ stärken das Selbstbild und damit das Selbstvertrauen der Kleinen. Achtsamkeit in der Sprache ist nicht nur eine Frage der Wortwahl, sondern auch eine Frage des inneren Dialogs. Kinder spüren, wenn Fachkräfte wertschätzend mit ihnen umgehen.
Es ist ein Prozess, der Zeit braucht – die Veränderung von Sprachmustern geschieht in Phasen: Wahrnehmung, Anwendung und Integration. Dabei ist es wichtig, nachsichtig mit sich selbst zu sein, während man lernt, neue Kommunikationsmuster zu erlernen. Und vielleicht, ganz ehrlich gesagt, geht es nicht nur um die Worte, sondern auch um die Gefühle, die wir damit transportieren. Ein spannendes Thema, das uns alle betrifft.
