In Erding, einer kleinen Stadt in Bayern, hat sich am Freitagmorgen ein Vorfall ereignet, der die Gemüter erregt. Molamin Sonko, ein 18-jähriger Mann aus Gambia, wurde von der Polizei aus einer Jugendhilfeeinrichtung abgeholt. Nur wenige Stunden später fand er sich am Flughafen München wieder – bereit zur Abschiebung. Ein Schicksal, das ihn in eine ungewisse Zukunft führt.

Sonko hatte erst im Mai seinen 18. Geburtstag gefeiert. Damit entfiel der Duldungsgrund, der ihm bis dahin eine gewisse Sicherheit gewährte. Er war eifrig dabei, seinen Schulabschluss zu machen und hatte kürzlich einen Ausbildungsvertrag als Pflegefachhelfer und Sozialbetreuer unterschrieben – einem Beruf, der in Deutschland dringend gesucht wird. Doch das Landratsamt Erding konnte diesen Vertrag erst am Freitag vorlegen. Ein unglücklicher Zeitpunkt, der vielleicht entscheidend war.

Rechtslage und Bildung

Die Rechtsanwältin Anna Frölich, die Sonko vertritt, äußert sich kritisch über die Situation. Ihrer Meinung nach hätte er auch ohne den Vertrag die Schule abschließen dürfen. Ein Schulabschluss wäre für Sonko nicht nur eine persönliche Errungenschaft gewesen, sondern hätte ihm auch die Möglichkeit eröffnet, im Rahmen des beschleunigten Fachkräfteverfahrens wieder nach Deutschland zurückzukehren. Ein durchaus berechtigter Wunsch, vor allem wenn man bedenkt, dass er sich in einer Phase der Vorbereitung auf seine berufliche Zukunft befand.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Frühjahr 2025 lebten in Deutschland rund 220.000 ausreisepflichtige Menschen, von denen über 180.000 eine Duldung hatten, die ihnen ein vorübergehendes Bleiberecht einräumt. Geduldete dürfen nicht abgeschoben werden, solange bestimmte Duldungsgründe vorliegen. Diese Regelung sollte ihnen eine gewisse Sicherheit geben, doch viele erleben dennoch Unsicherheiten und Ängste bezüglich ihrer Abschiebung. Besonders tragisch ist, dass fast 35.000 dieser Geduldete seit mehr als acht Jahren in Deutschland leben und sich in die Gesellschaft integriert haben.

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Ein Leben zwischen den Welten

Sonko hat seinen Pass vorgelegt und könnte theoretisch eine Ausbildung beginnen. Aber die Realität sieht anders aus. Die Duldung, die er hatte, ist oft mehr eine Last als eine Hilfe. Geduldete müssen sich an zahlreiche gesetzliche Einschränkungen halten und haben keinen Anspruch auf Deutsch- oder Integrationskurse. Zudem müssen sie bei der Identitätsklärung mitwirken, was nicht selten zu Problemen führt. In Sonkos Fall war der unglückliche Zeitpunkt der Vorlage seines Ausbildungsvertrages entscheidend. Ein Eilantrag an das Verwaltungsgericht, um die Abschiebung zu verhindern, blieb ohne Erfolg. Ein harter Schlag für einen jungen Mann, der so viel vorhatte.

Die aktuelle Bundesregierung plant, das Chancen-Aufenthaltsrecht nicht zu verlängern. Diese Regelung hatte vielen Geduldeten, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland leben, die Hoffnung auf eine Aufenthaltserlaubnis gegeben. Ein Schritt, der die Situation für viele Betroffene nur noch komplizierter macht. Die Unsicherheit über die eigene Zukunft bleibt und die Frage, wie es weitergeht, schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Geduldeten.

Mit seiner Abschiebung wird Sonko in ein Leben geworfen, das ungewiss ist – ein Leben zwischen den Welten. Die Hoffnung auf eine Ausbildung, die er so dringend angestrebt hat, könnte sich in Luft auflösen. Es bleibt zu hoffen, dass sich für ihn und viele andere eine Lösung findet, die ihnen eine Perspektive bietet. Denn jeder Mensch hat das Recht auf Bildung und eine faire Chance im Leben.