Das Ebersberger Museum Wald und Umwelt hat mit seiner Dauerausstellung und der Sonderschau „Faszination Moor“ ein spannendes Thema aufgegriffen, das nicht nur für Naturfreunde, sondern für alle Menschen von Bedeutung ist. Moore spielen eine entscheidende Rolle für unser Klima, bewahren historische und menschliche Überreste und sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Arten. Die Sonderschau, die bis zum 11. Oktober 2023 zu sehen ist, thematisiert die wertvolle Paludi-Kultur, eine nachhaltige Bewirtschaftungsmethode für Moore, die im Einklang mit der Natur steht.
Die Problematik der schrumpfenden Moorböden, die jährlich um 1 bis 4 cm abnehmen und langfristig in Seeton oder Kies umschlagen können, wird durch die neuen Förderprogramme des Freistaats Bayern angegangen. Bis 2040 sollen 55.000 Hektar Moorfläche wiedervernässt werden. Doch nicht alle Grundstücke sind für diese Maßnahme verfügbar, da viele Landwirte auf diese Flächen angewiesen sind. Die Wertschätzung für jene Landwirte, die sich aktiv für den Naturschutz einsetzen, soll deshalb erhöht werden. Ein weiterer Aspekt des Moorschutzes ist die Umstellung von klassischer Milchwirtschaft auf Weideviehhaltung, die in Regionen wie dem Brucker Moos bereits erfolgreich praktiziert wird.
Die Vorteile der Paludi-Kultur
Die Paludi-Kultur ermöglicht den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wie Rohrglanzgras, Schilf und Rohrkolben. Diese Pflanzen sind nicht nur CO₂-Speicher, sie finden auch in verschiedenen Industrien Verwendung. Die Etablierung von Paludikulturen erfordert etwa 100 Hektar Anbaufläche – eine Herausforderung, die jedoch viele Vorteile mit sich bringt. Die Untersuchung von Paludikulturarten in nordwestdeutschen Moorstandorten zeigt, dass eine nasse Bewirtschaftung die Treibhausgasemissionen signifikant reduziert und die Torfzersetzung hemmt, was bedeutet, dass Kohlenstoff im Boden gebunden bleibt.
Besonders standorttolerante Pflanzen wie die Sumpf-Segge (Carex) bieten stabile Biomasseerträge und haben ein hohes Potenzial zur Treibhausgasminderung. Schilf (Phragmites australis) hingegen ist ein nachwachsender Rohstoff, der für biobasierte Produkte verwendet werden kann und somit zur regionalen Wertschöpfung beiträgt. Die Biodiversitätsanalysen belegen zudem, dass die Artenzusammensetzung und Habitatqualität von den spezifischen Standortbedingungen abhängt, was eine standortangepasste Planung von Paludikulturen erforderlich macht.
Ein Begleitprogramm für alle
Das Ebersberger Museum bietet ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen und Exkursionen an, inklusive Besuchen im Brucker Moos, wo die Weidehaltung mit robusten Rassen wie Wasserbüffeln und Galloways erlebbar ist. Diese praktischen Einblicke zeigen, wie der Moorschutz in der Realität gelebt wird und welche positiven Auswirkungen die Paludi-Kultur auf die Umwelt hat.
Insgesamt ist die Sonderschau „Faszination Moor“ nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Aufruf zur Auseinandersetzung mit einem der wertvollsten Ökosysteme unserer Erde. Das Ebersberger Museum Wald und Umwelt lädt alle Interessierten ein, sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten des Moorschutzes zu beschäftigen. Besuchen Sie das Museum samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr und lassen Sie sich von der faszinierenden Welt der Moore inspirieren.