Stacheliger Überlebenskampf: Wie zwei Frauen in Dachau Igeln eine Chance geben
In der kleinen Stadt Dachau, wo die Uhren einen Takt vorgeben, der noch an die Natur erinnert, haben zwei Frauen eine bemerkenswerte Mission ins Leben gerufen. Melanie Stangl und Nicole Stefan, beide mit einem Herzen für die quiekenden Stacheltiere, betreiben seit einiger Zeit ehrenamtlich eine Igelstation in der Südenstraße. Hier dreht sich alles um die kleinen, oft unterernährten Igel, die Hilfe benötigen. Seit Jahresbeginn haben die beiden bereits 52 Igel aufgenommen, während die Zahl im Vorjahr bei rund 200 lag. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Herausforderungen, mit denen die Igel konfrontiert sind, immer größer werden.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele der kleinen Stachelritter kommen stark geschwächt in die Station. Ein großes Problem ist das Insektensterben, das die Nahrungskette durcheinanderbringt. Igel sind schließlich Insektenfresser und benötigen chitinreiche Käfer und deren Larven, um ihre Fettreserven für den Winter aufzubauen. Wenn die Insekten fehlen, können die Jungtiere oft nicht genug Nahrung aufnehmen, um die kalten Monate zu überstehen. Es ist ein Teufelskreis, denn während des Winterschlafs verlieren sie bis zu 30% ihres Körpergewichts. Und geschwächte Igel, die oft auf der Suche nach Futter sind, greifen dann manchmal zu Vogelfutter – was zu weiteren gesundheitlichen Problemen führt. Tragisch, oder?
Ein Kampf ums Überleben
Ein besonders berührendes Beispiel für diesen Überlebenskampf ist die kleine Igel-Dame Isabell. Mit gerade einmal 150 Gramm wurde sie im Schnee gefunden und hat es trotz aller Widrigkeiten geschafft, sich zu erholen. Solche Geschichten sind es, die Melanie und Nicole antreiben. Doch die Herausforderungen sind nicht nur biologischer Natur. Auch die Wetterbedingungen in der Region können das Erwachen der Igel aus dem Winterschlaf verzögern, was wiederum die Überlebenschancen der Jungtiere verringert.
Leider ist die Sterblichkeit unter den Jungtieren hoch. Viele Igel werden durch menschliche Aktivitäten verletzt, was die Arbeit in der Igelstation umso wichtiger macht. Die Kapazität der Station liegt bei zehn Igeln, und sie ist oft bis zum Bersten ausgelastet. Melanie und Nicole haben sich in zahlreichen Fortbildungen das nötige Wissen angeeignet, um die kleinen Tiere bestmöglich zu versorgen. Dabei kommen sie nicht nur für Futter, Medikamente und Pflege selbst auf – sie sind auch auf Spenden und Patenschaften angewiesen.
Wie du helfen kannst
Jeder, der ein Herz für die kleinen Stacheltierchen hat, kann die Igelstation unterstützen. Sie suchen laufend nach Auswilderungs- und Pflegestellen sowie nach Spenden in Form von Futter, Sachspenden oder Geld. Die Kontaktinformationen sind auf der Website der Igelstation zu finden, und wer möchte, kann auch direkt über einen Fragebogen zur Igelhilfe wertvolle Informationen sammeln. Dieser Fragebogen fragt nicht nur nach den persönlichen Daten der Unterstützer, sondern auch nach der bisherigen Erfahrung in der Igelpflege. Das ist wichtig, um ein Netzwerk von engagierten Menschen aufzubauen, die sich gemeinsam für das Wohl der Igel einsetzen.
Die Station arbeitet eng mit Tierärzten zusammen und hat die amtliche Genehmigung vom Veterinäramt, um sicherzustellen, dass alles nach den Vorschriften des Tierschutzgesetzes abläuft. Regelmäßige Überprüfungen sorgen dafür, dass die Igel in der Station bestmöglich versorgt werden. Die Unterbringung erfolgt in verschiedenen Behältnissen, und es gibt sogar Außengehege für die Tiere, die bereits in die Aufzuchtphase eingetreten sind.
Die Realität ist, dass die Hilfe für Igel dringend gebraucht wird. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat den heimischen Igel bereits als potenziell gefährdet eingestuft, was die Notwendigkeit dieser ehrenamtlichen Arbeit umso mehr unterstreicht. Wir alle können dazu beitragen, dass die kleinen Stacheltiere nicht nur überleben, sondern auch in unserer Umgebung weiterhin ein Zuhause finden.


