Zwischen zwei Welten: Behzad Babaeis Kampf um Freiheit und Familie
Heute ist der 2.07.2026 und in Bad Tölz, einer malerischen Stadt in Bayern, lebt der 42-jährige Behzad Babaei. Er ist gebürtiger Iraner und hat seit 2014 mit seiner Frau in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Ihre beiden Töchter erblickten in München das Licht der Welt. Doch während er hier in seinem Friseursalon, in dem vier Angestellte tätig sind, das Glück seines Lebens genießt, verfolgt er die Nachrichten aus seiner Heimat mit angehaltenem Atem. Dort ist seine Familie in Gefahr.
Babaei hat täglich Kontakt zu seinen Angehörigen in Karadsch, Iran. Doch seit dem Ausbruch des Krieges ist das Internet im Iran abgeschaltet, und die Kommunikation wird zur kostspieligen Herausforderung. Die letzte Nachricht seiner Schwester erreichte ihn am Mittwoch: „Wir sind in Sicherheit“, sagte sie. Ein kleiner Lichtblick inmitten der Sorgen, die ihn quälen. Sein sehnlicher Wunsch? Dass seine Familie das Land in Richtung Türkei verlässt. Doch die Grenzen sind dicht. Ein emotionales Wechselbad – zwischen Angst um die Lieben und der Hoffnung auf eine Veränderung im Iran.
Ein Zeichen der Hoffnung
Die Tötung des obersten Führers Ali Chamenei hat ihm Hoffnung gegeben. Babaei sieht darin eine mögliche Wende im Iran. Um diese Veränderung zu unterstützen, hat er an Demonstrationen in Deutschland teilgenommen, etwa bei einer der größten Kundgebungen in München, wo über 250.000 Menschen für Freiheit und Menschenrechte eintraten. Das Echo dieser Proteste hallt durch die Straßen, nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands. In Düsseldorf zum Beispiel, wo seit Januar jeden Samstag Proteste stattfinden, um für die Freiheit im Iran zu kämpfen. Allerdings bleiben die Teilnehmerzahlen hinter den Erwartungen zurück – statt der erhofften 10.000 kamen nur knapp 1.000 Menschen.
In Köln gab es ebenfalls bewegende Szenen. Dort hielten einige Hundert Menschen Porträts von Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hoch und riefen Parolen wie „Thank You Bibi! Thank You, Trump!“, während sie sich gegen das Mullah-Regime aussprachen. Doch wie in vielen Städten, stößt auch hier der Protest auf Widerstand. Eine kleine Gruppe von Befürwortern des Regimes provozierte die Demonstranten, was zusätzlichen Polizeischutz erforderlich machte.
Der Wunsch nach Einheit
Die Proteste in Deutschland sind mehr als nur ein Schrei nach Freiheit – sie sind ein Zeichen der Solidarität für die Familien und Freunde im Iran. Die Menschenrechtsorganisationen warnen vor Tausenden Toten und Festnahmen von Regimekritikern. Im Iran selbst ist die Lage angespannt. Die Menschen haben Angst, sich zu äußern, denn das Regime reagiert brutal auf jegliche Form des Widerstands. Der Internetzugang ist seit zwei Wochen stark eingeschränkt, was die Organisation und Kommunikation der Protestierenden zusätzlich erschwert.
Babaei ist hin- und hergerissen. Seine Verbundenheit zu seiner Familie und die Hoffnung auf eine baldige Wende im Iran sind stark. Gleichzeitig nagt die Sorge um das Wohlergehen seiner Mutter an ihm. Dreimal wurde der Visumantrag für ihre Reise nach Deutschland abgelehnt, aus der Angst, sie könnte sich dauerhaft hier niederlassen. Das ist eine bittere Pille, die er schlucken muss – der Wunsch, seine Mutter einmal in Bad Tölz willkommen zu heißen, bleibt unerfüllt. Die Kluft zwischen den Welten, die er nun lebt, wird immer offensichtlicher.
Wenn er in seinem Salon steht, die Scheren klappern und der Duft von Haarspray in der Luft liegt, denkt er oft an die Menschen, die in seiner Heimat leiden. Es ist ein ständiges Ringen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Doch eines bleibt: Sein größter Wunsch ist, dass das Regime im Iran schnell fällt und der Krieg endet. Damit sein Heimatland eine neue Zukunft aufbauen kann.
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