Heute ist der 7. Mai 2026 und in Würzburg tut sich einiges. Die Stadt steht ganz im Zeichen des Katholikentags, der vom 13. bis 17. Mai stattfindet. Eine besondere Persönlichkeit, die dabei eine zentrale Rolle spielt, ist Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Seit seinem zweiten Lebensjahr lebt er hier und kennt die Stadt und ihre Menschen sehr gut. Schuster wird an einer jüdisch-christlichen Gemeinschaftsfeier teilnehmen, bei der auch Bischof Franz Jung erwartet wird. Die Vorfreude auf diesen Austausch ist spürbar, denn die Themen, die Schuster anspricht, sind aktuell und wichtig.
Im Interview beleuchtet er die Situation von Jüdinnen und Juden in Deutschland, insbesondere nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden Gazakrieg. Die Spannungen sind hoch, und Schuster thematisiert den Anstieg antisemitischer Ressentiments und Taten, der seit diesem Zeitpunkt zu beobachten ist. Viele Jüdinnen und Juden trauen sich nicht mehr, jüdische Symbole öffentlich zu tragen. Das ist ein besorgniserregender Zustand, der zum Nachdenken anregt.
Der Dialog zwischen den Glaubensgemeinschaften
Schuster betont die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den jüdischen und christlichen Glaubensgemeinschaften. Er war aktiv in die Planung der christlich-jüdischen Programmteile des Katholikentags eingebunden und sieht hierin eine wertvolle Gelegenheit, Brücken zu bauen. „Religion als Ressource für Verständigung“ – so lautet das Motto einer Veranstaltung in Würzburg, die genau dieses Ziel verfolgt. Doch Schuster ist auch realistisch: Er warnt vor extremen Positionen und fordert Zivilcourage sowie Engagement für Solidarität. Die Herausforderung besteht darin, dass nicht nur die Stimmen der wenigen, sondern auch die der Mehrheit gehört werden müssen.
Eine positive Note bringt Schuster ins Spiel, wenn er die Stimmen der Solidarität erwähnt, die es in der Gesellschaft gibt. Es ist ermutigend zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich für eine offene und respektvolle Kommunikation einsetzen. Dennoch bleibt die Frage im Raum, wie viele es wirklich sind. Es ist klar: Juden und Muslime sind keine Erzfeinde, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Das Miteinander sollte im Vordergrund stehen, und der Austausch zwischen den Religionen ist von unschätzbarem Wert.
Würzburg als Ort der Begegnung
Katholikentagsbesucher, die in Würzburg sind, sollten sich die Zeit nehmen, die Stadt zu erkunden. Ein Stadtspaziergang durch das jüdische Würzburg ist ein absolutes Muss. Das Museum „Shalom Europa“, das in den Räumen der Jüdischen Gemeinde untergebracht ist, bietet spannende Einblicke in die Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinschaft. Solche Orte sind nicht nur für das Verständnis der Geschichte wichtig, sondern auch für die Zukunft des Miteinanders. Denn nur durch Wissen und Begegnungen können wir Vorurteile abbauen und ein respektvolles Miteinander fördern.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen und der Dialog in den kommenden Tagen entwickeln werden. Die Atmosphäre während des Katholikentags könnte ein Zeichen für die Möglichkeit des Miteinanders setzen – ein kleiner Schritt in eine bessere Zukunft. Wenn die Stadt und ihre Bewohner die Chance ergreifen, könnte dies nicht nur für Würzburg, sondern für ganz Deutschland eine bedeutende Botschaft sein.