Inmitten der turbulenten Ereignisse des letzten Jahres findet vom 13. bis 17. Mai in Würzburg der Katholikentag statt, ein bedeutendes Event, das sowohl religiöse als auch gesellschaftliche Themen auf die Agenda setzt. Unter den prominenten Teilnehmern wird auch Josef Schuster sein, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Schuster, der seit seinem zweiten Lebensjahr in Würzburg ansässig ist, wird an einer jüdisch-christlichen Gemeinschaftsfeier teilnehmen, bei der auch Bischof Franz Jung Präsenz zeigen wird.
„Was hat sich in der Gesellschaft der letzten Monate verändert?“, könnte man sich fragen. Nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem nachfolgenden Gazakrieg hat sich das Klima für Jüdinnen und Juden in Deutschland erheblich verschlechtert. Schuster berichtet von einem besorgniserregenden Anstieg antijüdischer Ressentiments und Taten. Viele Menschen aus der jüdischen Gemeinde trauen sich nicht mehr, öffentliche jüdische Symbole zu tragen. Trotz dieser Dunkelheiten gibt es auch positive Stimmen in der Gesellschaft, yet Schuster kritisiert die mangelnde Solidarität der Mehrheit und appelliert an Zivilcourage und Engagement für die jüdische Gemeinschaft.
Ein Dialog der Verständigung
Besonders am Herzen liegt Schuster der interreligiöse Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam. Er warnt jedoch vor extremen Positionen und stellt klar, dass Juden und Muslime nicht grundlegend als Erzfeinde betrachtet werden müssen. Dies hebt er auch im Kontext des Katholikentags hervor, bei dem er sich aktiv in die Planung der christlich-jüdischen Programmteile eingebracht hat. „Religion kann eine Ressource für Verständigung sein“, so Schuster.
Im Kontext des christlich-jüdischen Dialogs wird auch auf die herausfordernde politische Situation verwiesen. Vatican News beschreibt den Dialog als „echtes Erfolgserlebnis“, das jedoch unter den Folgen des Konflikts leidet. Abi Pitum von der Internationalen Martin-Buber-Stiftung äußert, dass die Tendenz, politische Themen in den Vordergrund zu stellen, eine Phase der Sprachlosigkeit nach dem 7. Oktober eingeleitet hat. Besonders heikel wird das Thema, wenn Kritik an der israelischen Regierung schnell als Antisemitismus wahrgenommen wird, was einen offenen Dialog zusätzlich erschwert.
Würzburg als Schauplatz des Dialogs
Für die Besucher des Katholikentags gibt es einige Empfehlungen, die den interreligiösen Austausch fördern könnten. Ein Stadtspaziergang durch das jüdische Würzburg oder der Besuch des Museums „Shalom Europa“ in den Räumen der Jüdischen Gemeinde werden von Schuster angeregt. Diese Veranstaltungen könnten dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln.
In der aktuellen Zeit, in der der Antisemitismus relativ hoch ist und der interreligiöse Dialog als notwendig erachtet wird, sollten die Stimmen nicht nur gehört sondern auch ernst genommen werden. Bundeskanzler Friedrich Merz beleuchtet in diesem Zusammenhang die Bedeutung des jüdischen Lebens für die Zukunft Deutschlands und betont, dass ohne eine lebendige jüdische Gemeinschaft kein prosperierendes Deutschland möglich sei.
Die Herausforderungen sind groß, doch der Dialog bleibt ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Schuster und viele andere setzen sich dafür ein, dass die interreligiöse Zusammenarbeit nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sondern aktiv gelebt wird, um so gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung anzukämpfen.