Der Prozess um den Allgäuer Tierschutzskandal am Memminger Landgericht sorgt weiterhin für Aufregung. Tierrechtsaktivist Philipp Hörmann erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Vater und seinen Sohn, die einen großen Milchviehbetrieb im Unterallgäu betreiben. Bei den Anhörungen führte Hörmann belastende Beweise an, die er mit verdeckten Aufnahmen dokumentiert hatte.

Die Vorwürfe sind alarmierend: Tieren soll nicht nur die notwendige Versorgung verwehrt, sondern sie zudem auch unsachgemäß behandelt worden sein. Ein besonders drastischer Vorfall, der während des Prozesses zur Sprache kam, beschreibt eine Kuh, die während der Geburt mit einem Radlader angefahren und ihr Kalb regelrecht „herausgerissen“ wurde. Hörmann berichtete von insgesamt 58 Fällen, in denen eine unsachgemäße Verladung und eine unterlassene tierärztliche Versorgung nachgewiesen werden konnten. Laut Staatsanwaltschaft wurden den Tieren dabei erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt.

Die beschuldigten Betreiber

Die Angeklagten, Martin E. und sein Vater Franz E., sehen sich mit heftigen Vorwürfen konfrontiert. Während Martin E. als Hauptbelasteter gilt und aufgrund der schweren Vorwürfe ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot erhielt, ist sein Vater als weniger aktiv auf dem Hof bekannt. Die Verteidigung der beiden Männer weist die Anschuldigungen entschieden zurück und betont, dass die Unschuldsvermutung gelte.

Philipp Hörmann, der durch eine Bekannte auf die Praktiken des Betriebs aufmerksam wurde, erklärte, dass frühere Versuche, die Missstände zu ändern, erfolglos blieben. Nachdem die Anzeigen ohne Konsequenzen blieben, wurde die Entscheidung getroffen, verdeckte Kameras auf dem Betrieb zu installieren, die schließlich die schockierenden Misshandlungen aufzeichneten.

Dokumentierte Missstände

Die Ermittlungsergebnisse zeigen, dass Überbelegungen bei Jungtieren und stark abgemagerte Tiere an der Tagesordnung waren. In einem weiteren belastenden Vorfall vom 26. Mai 2019 wurde ein Tier mit Kniestößen traktiert und am Schwanz gezogen, während eine Kuh mit einem Seil zusammengebunden und mit einem Radlader über das Gitter gezogen wurde. Die massiven Misshandlungen werfen einen dunklen Schatten über den gesamten Betrieb.

Die SOKO Tierschutz, die ebenfalls in die Ermittlung involviert ist, sieht in ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz. Ihre weiteren Recherchen haben zusätzliche Misshandlungen ans Tageslicht gebracht, die den bereits besorgniserregenden Verdacht auf regelmäßige Misshandlungen und unzureichende Versorgung der Tiere erhärten.

Aktuell ist der Prozess noch nicht zu Ende. Weitere Verhandlungstage sind bis Oktober angesetzt, wobei zahlreiche Zeugen und Sachverständige angehört werden sollen. Der Fall zeigt, wie wichtig der Tierschutz ist und wie schnell ein Betrieb ins Zwielicht geraten kann, wenn grundlegende ethische Standards gebrochen werden. Die Augen der Öffentlichkeit sind auf das Verfahren gerichtet, und viele hoffen auf ein gerechtes Urteil.

Für weitere Informationen zum Tierschutzprozess finden Sie Details in dem Bericht von new-facts.eu.