Häusliche Gewalt ist ein Thema, das viele Menschen betrifft – und doch wird es oft hinter verschlossenen Türen versteckt. Laut dem Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2024 mehr als 265.000 Menschen Opfer häuslicher Gewalt, wobei mehr als 70 Prozent dieser Opfer Frauen sind. Elisabeth Egg, die im Frauenhaus Memmingen arbeitet, hat erlebt, wie tief die Wunden solcher Gewalterfahrungen sitzen können. Die Anzeichen sind oft subtil, beginnen mit Kontrolle und Machtspielen und entwickeln sich schnell zu einer ungesunden Beziehung, in der Frauen nichts mehr selbst bestimmen dürfen. Isolation von Freunden und Familie ist häufig der erste Schritt, um die Kontrolle zu festigen. Anfangs ist alles von Liebe und einer Art Abhängigkeit geprägt, doch irgendwann kippt das Ungleichgewicht – und Gewalt wird lebensgefährlich. In solchen Momenten ist der Ausbruch aus der Beziehung oft der einzige Ausweg.

Es gibt viele Gründe, warum Frauen in diesen Beziehungen bleiben. Kinder sind oft ein entscheidender Faktor, die den Alltag stabil halten, auch wenn das Umfeld bröckelt. Emotionale Bindungen und die Hoffnung auf Besserung, das Versprechen des Partners, dass die Gewalt nicht wieder vorkommen wird – das alles sind starke Anker, die Frauen festhalten. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Viele erkennen nicht einmal, dass sie in einer gewalttätigen Beziehung leben, und vermischen Liebe mit toxischen Verhaltensweisen.

Prävention und Bewusstsein

Doch es gibt auch Lichtblicke! Ein eindrucksvolles Zeichen gegen Gewalt ist die Rote Bank, die am Internationalen Frauentag 2023 in Memmingen präsentiert wurde. Auf dieser leeren Bank, die im Cineplex aufgestellt wurde, steht der eindringliche Satz: „Kein Platz für Gewalt“. Die Rote Bank ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Zeichen der Solidarität für all jene Frauen, die Opfer häuslicher und sexualisierter Gewalt geworden sind. Die Aktion stammt ursprünglich aus Perugia, Italien, und wird seit 2016 in vielen Städten veranstaltet. Die Farbe Rot, die Blut und Leben symbolisiert, zieht die Aufmerksamkeit auf sich und regt zum Nachdenken an.

Auf der Bank sind außerdem wichtige Hilfetelefonnummern für Gewaltnotfälle angegeben, darunter das Frauenhaus Memmingen unter 08331 4644 und das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016. Immerhin ist jede dritte Frau von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen, und 25 % der Frauen erleben Gewalt in ihrer Partnerschaft. In Memmingen leben 2021 etwa 14.460 Frauen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren. Schätzungen zufolge haben rund 3.600 Frauen körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Beziehung erfahren. Diese Zahlen sind alarmierend und machen deutlich, wie dringend Aufklärung und Unterstützung notwendig sind.

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Aktionen und Hilfsangebote

Die Rote Bank ist nicht nur ein statisches Zeichen, sondern sie wandert durch die Stadt und wechselt monatlich die Standorte. Ob auf dem Marktplatz, Hallhof oder im Antonierinnenhof – überall regt sie zum Gespräch an. In Memmingen wurden 2021 insgesamt 161 Vorgänge wegen häuslicher Gewalt bei der Polizei registriert. Die Initiative, die hinter der Roten Bank steht, wurde vom Frauenhaus Memmingen, Claudia Fuchs als Gleichstellungsbeauftragte, dem Frauennetzwerk Memmingen und Donum Vitae ins Leben gerufen.

Die leere Bank, die bald einen festen Platz in der Hinteren Gerbergasse bei der Schwangerenberatungsstelle von Donum Vitae erhalten wird, ist nicht nur ein Symbol, sondern auch ein Aufruf zur Handlung. Sie erinnert uns daran, dass Gewalt gegen Frauen ein drängendes Problem ist, das unsere Aufmerksamkeit und unser Handeln erfordert. Nur wenn wir hinschauen und darüber sprechen, können wir gemeinsam einen Unterschied machen.

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