Die vergessene Gastfreundschaft: Ein Wirtshaus kämpft um sein Comeback
In Starnberg, wo der Bodensee glitzert und das Leben langsam fließt, steht das alte Wirtshaus Obermühlthal seit 16 Jahren in einem Zustand des Verfalls. Es könnte fast als das triste Symbol einer vergangenen Zeit angesehen werden. Der Charme der einstigen Gastlichkeit, die hier herrschte, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Makler Oliver Herbst hat die Herausforderung, dieses historische Gebäude wieder zum Leben zu erwecken. Er hofft, in den nächsten Monaten einen Käufer zu finden, der das Potenzial sieht, das in den verwitterten Wänden steckt.
Der Preis für dieses Stück Geschichte wurde von fast vier Millionen Euro auf 2,4 Millionen Euro gesenkt. Ein Schnäppchen könnte man sagen, aber es gibt einen Haken: Interessenten müssen ein überzeugendes Nutzungskonzept vorlegen, wobei die Gastronomie bevorzugt wird. Die Genehmigungen für alternative Nutzungsmöglichkeiten – wie etwa einen Seniorenpflegedienst oder kreative Arbeitsräume – sind im Außenbereich, nahe einem Landschaftsschutzgebiet, kaum zu bekommen. Ein Gaststättenbetrieb müsste nach dem langen Leerstand neu beantragt werden. Die Planungshoheit liegt bei der Stadt Starnberg, die besondere Umstände und Schutzbelange in ihre Entscheidungen einbezieht. Ein Teufelskreis, könnte man meinen.
Ein Erbe, das gerettet werden soll
Der Erhalt des Gasthofes ist für Herbst eine „Herzensangelegenheit“. Mit einer Nutzfläche von 600 Quadratmetern und geschätzten Sanierungskosten von mindestens 800.000 Euro ist es kein leichtes Unterfangen. Vor vier Jahren erwarb ein Unternehmer aus Krailling das Anwesen, doch nach einem Jahr stellte er fest, dass seine Start-up-Firma woanders besser aufgehoben wäre. Ein anderer Makler versuchte, das Objekt für 3,9 Millionen Euro zu verkaufen – vergeblich.
Der Niedergang des Gasthofes begann 2004, als die nahegelegene S-Bahnstation Mühlthal geschlossen wurde. Ab 2010 war das Wirtshaus nach mehreren Pächterwechseln endgültig dicht. Ein Lichtblick schien der Kulturverein „Feta Records“ zu sein, der das Anwesen als Kreativzentrum nutzen wollte. Doch auch dort war das Glück nicht auf ihrer Seite, da ein höheres Gebot den Zuschlag sicherte. Das ist schon fast tragisch, wenn man bedenkt, wie viele Geschichten diese Mauern erzählen könnten.
Die Suche nach dem richtigen Käufer
Herbst hat sogar Brauereien kontaktiert, in der Hoffnung, einen Käufer zu finden, der das Erbe des Gasthofes zu schätzen weiß. Die Verhandlungen sind alles andere als einfach. Denn die Anforderungen sind hoch, und die Zeit drängt. Die Gefahr, dass das Gebäude weiter verkommt, ist allgegenwärtig. Die Atmosphäre ist angespannt, man spürt förmlich, wie die Hoffnung auf einen neuen Anfang in der Luft hängt.
In einer Region, wo Tradition und Gastfreundschaft großgeschrieben werden, könnte das Obermühlthal mehr sein als nur ein leer stehendes Gebäude. Vielleicht ist es an der Zeit, dass jemand den Mut hat, die Geschichte neu zu schreiben und das Wirtshaus aus seiner Lethargie zu befreien. Wer weiß, vielleicht wird es bald wieder ein Ort der Begegnung, an dem die Menschen zusammenkommen, lachen und feiern – und wo der Duft von frisch gebackenem Brot und herzhaften Gerichten die Luft erfüllt.
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