Heute ist der 19.07.2026 und wir befinden uns in Starnberg, wo die Geschichte von Helene Munson und ihrem Vater, Hans Duker, in der Luft liegt. Vor nicht allzu langer Zeit, genauer gesagt 1996, stellte Helene das Angebot ihres Vaters in den Wind, sein Kriegstagebuch zu lesen. „Ich war einfach nicht bereit“, erinnert sie sich. Jahre später jedoch, als die Neugier überhandnimmt, taucht sie in die Aufzeichnungen ein und entdeckt eine Welt voller traumatischer Erlebnisse und der brutalen Erziehung der Nazi-Elite. Es ist eine Reise zurück in die Zeit, die sie in ihrem Buch „Die Feldafing-Jungs – Hitlers Kindersoldaten“ verarbeitet.

Die Lesung in der Rotunde der Evangelischen Akademie Tutzing vor rund 100 Besuchern war für sie ein bewegender Moment. Dort, wo die Geschichte lebendig wird, erzählt sie von ihrem Vater, der 1937 im zarten Alter von neun Jahren nach Feldafing kam, um eine „richtige deutsche Ausbildung“ zu erhalten. Diese Reichsschule war nicht einfach eine Schule, sondern eine Eliteanstalt, die genau das Gegenteil von Kindheit und Unbeschwertheit bedeutete – die Schüler wurden zu „Herrenmenschen“ im nationalsozialistischen Sinne erzogen. Und das war kein Zuckerschlecken! Um überhaupt aufgenommen zu werden, mussten sie umfangreiche Tests bestehen und an Aktivitäten teilnehmen, die von Opernbesuchen bis hin zu Schießtraining reichten.

Ein System des Drills und der Indoktrination

Stellt euch vor: Rund 40 Napolas gab es zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, Orte, an denen die Jugend unter Druck gesetzt und indoktriniert wurde. Adolf Hitler selbst sprach 1935 in einer Rede von der Erziehung des deutschen Nachwuchses, und die NS-Führung forderte von den Jugendlichen absolute Härte und Unterordnung. Ein System, das keinerlei Rücksicht auf die Psyche der Kinder nahm. Die Schüler waren ganzjährig dem Drill ihrer Lehrer ausgesetzt, mit einem ständigen Ohrwurm aus Nazi-Propaganda im Hintergrund.

Der Krieg nahm hingegen keinen Anstand. 1943 wurden alle deutschen Jungen zwischen 15 und 17 Jahren von der Schule genommen und zur Bedienung der Flugabwehrkanone eingezogen. Hans Duker, der während des Krieges in die Endphase nach Ostfront ins Sudetenland geschickt wurde, konnte aus erster Hand erfahren, was es bedeutet, in einem solchen System zu leben. Der Verlust von Schulfreunden und eigene Verletzungen prägten ihn tief.

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Einblicke in die Vergangenheit

Helene Munson, 1957 in Bonn-Bad Godesberg geboren, studierte Geschichte und widmete sich der Rolle von Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten. Ihre Recherche führte sie sogar in das tschechische Dorf Závada, wo ihr Vater kämpfte – das muss ein emotionales Aufeinandertreffen mit der Vergangenheit gewesen sein! In einer Diskussion über ihre Arbeit wurde die Ausbildung an der Reichsschule als Eliteausbildung bezeichnet, was sie allerdings kritisch hinterfragte. Munson möchte Verständnis für das Leid der Kindersoldaten fördern und zeigt dabei den Mut, sich mit einer dunklen Geschichte auseinanderzusetzen.

Akademiedirektor Udo Hahn hat in diesem Zusammenhang eine wichtige Verantwortung angesprochen – die der Zuhörer für die Geschichte. Es ist nicht nur eine Lesung und kein Buch, das man einfach ins Regal stellt. Es geht darum, die Augen zu öffnen, für das, was war und was nie wieder geschehen darf. Helene Munson hat mit ihrem Werk einen wichtigen Beitrag geleistet, um das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und uns alle daran zu erinnern, dass die Geschichte oft näher ist, als man denkt.

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