Heute ist der 16.07.2026, und während die Sonne über dem abgelegenen Tal von St. Daniel in Kärnten aufgeht, wird die Atmosphäre von einer aufregenden Vorfreude durchzogen. Hier, umgeben von majestätischen Bergen und dem sanft plätschernden Fluss Gail, hat das Kulturfestival „Bühne der Macht“ sein Zelt aufgeschlagen. Ein Ort, der perfekt ist, um die Inszenierung von Joseph Roths „Radetzkymarsch“ inmitten der Natur und Geschichte aufleben zu lassen. Co-Festivalleiterin Cornelia Rainer und Stephan Lack haben sich dieser Herausforderung angenommen und eine Aufführung auf die Beine gestellt, die sowohl zum Nachdenken anregt als auch emotional aufwühlt.

Die Premiere fand am 15. Juli statt und zog Theaterbegeisterte aus nah und fern an. Der Hauptdarsteller, Matthias Mamedof, verkörpert Carl Joseph von Trotta, ein Charakter, der im Spannungsfeld von Familientraditionen und dem Zerfall der Habsburgermonarchie steht. Eduard Wildner, der in die Rolle des Vaters Franz von Trotta schlüpft, bringt eine Tiefe in die Vater-Sohn-Dynamik, die über Generationen hinweg wirkt. Es ist eine Geschichte, die sich um den Niedergang und die unerfüllten Erwartungen dreht, und die mit einer einzigartigen Bühnenästhetik inszeniert wird – einem prächtig dekorierten Tisch, der die Differenzen zwischen Ideen und Erscheinungen symbolisiert. Ein Tisch, der nicht nur das Zentrum des Geschehens bildet, sondern auch als Metapher für das Leben selbst dient.

Eine humorvolle Note im Drama

Komischerweise sorgt die Figur der Frau Slama, gespielt von der charmanten Elisabeth Engstler, für heitere Momente inmitten der ernsten Themen. Ihre Kirschknödel werden nicht nur serviert, sondern sie bringt auch eine Leichtigkeit mit, die dem Publikum ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Inmitten der erdrückenden Fragen nach Orientierung und Freiheit versus Sicherheit, fungiert sie als eine Art Ventil für das Publikum. Hier wird deutlich, dass Humor und Tragik oft Hand in Hand gehen, und das macht die Inszenierung so bemerkenswert.

Die musikalische Untermalung, bestehend aus dem berühmten Radetzkymarsch und Kompositionen von Miloš Todorovski, zieht die Zuschauer tiefer in die emotionale Welt der Charaktere. Die Melodien verweben sich mit den filmischen und dokumentarischen Elementen, die in die Aufführung integriert sind. Diese Kombination sorgt für einen interdisziplinären Charakter, der das Festival zu einem Ort macht, an dem Kultur, Philosophie und Praxis aufeinandertreffen.

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Ein Ort der Reflexion

Graf Chojnicki, dargestellt von Alina Fritsch, reflektiert über den Tod der Jungen und das Verweilen der Väter. Diese Gedanken sind besonders eindringlich und laden die Zuschauer ein, über das eigene Leben nachzudenken. Wie oft stehen wir selbst zwischen den Erwartungen anderer und unserem Wunsch nach Freiheit? Die Inszenierung konfrontiert uns mit diesen Fragen und lässt uns nicht unberührt.

Mitwirkende wie Nikolaus Barton und die Theatergruppe Dellach tragen zur Vielfalt und Tiefe der Darbietung bei. Das gesamte Ensemble bringt eine Stärke auf die Bühne, die spürbar ist und das Publikum in ihren Bann zieht. Und das Beste – die Übernachtungskosten wurden vom Festival übernommen, was den Zugang zu solch einer kulturellen Erfahrung erleichtert. Hier wird Gemeinschaft gelebt, und das ist in der heutigen Zeit mehr wert als je zuvor.

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