Goaßlschnalzen in Rosenheim: Frauen erobern die Tradition und bereiten sich auf die Meisterschaft vor
In Rosenheim, dem Herzstück Oberbayerns, hat kürzlich ein Anfängerkurs im Goaßlschnalzen beim Trachtenverein Alt Rosenheim die Herzen der Teilnehmer höher schlagen lassen. Vor den beeindruckenden Kulissen der bayerischen Tradition versammelten sich Neueinsteiger, die sich mutig in die Kunst des schnallenden Peitschenschwingens stürzten. Goaßlschnalzen, das klingt nach uralter Tradition und viel Geschick, und das ist es auch! Die Teilnehmer standen oft auf Biertischen, peitschten mit ihren Fiberglasstäben durch die Luft und versuchten, zu den mitreißenden Klängen der Musik den richtigen Rhythmus zu finden.
Die Ausrüstung ist dabei ebenso wichtig wie die Technik. Ein Fiberglasstab in Händen, der Griff aus Holz oder Kunststoff, die Verbindungsschnur und das verjüngende Peitschenseil – all das sind die Utensilien, die es braucht, um den berühmten Knall zu erzeugen. Wusstet ihr, dass dieser Knall nicht durch den Aufprall auf dem Boden entsteht? Nein, die wahre Magie passiert, wenn das Seil durch eine schnelle Bewegung auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt wird. Die Druckwelle, die dabei entsteht, ist das, was wir hören – ein beeindruckendes Spektakel!
Frauenpower beim Goaßlschnalzen
Interessant ist, dass etwa die Hälfte der Kursteilnehmerinnen in diesem Kurs Frauen waren. Daniel Ertl, der Zweite Vorstand des Vereins, hat klargestellt: Goaßlschnalzen ist längst keine Männerdomäne mehr. Ein Blick zurück zeigt, dass beim vorherigen Kurs sechs Frauen aus Brannenburg anwesend waren, die mittlerweile eine eigene Frauengruppe namens „Goaßlklang“ gegründet haben. Diese Gruppe hat sich nicht nur einen Namen gemacht, sondern zählt inzwischen auch acht Mitglieder. Ein echter Erfolg!
Ein weiterer großer Schritt für die Frauen im Goaßlschnalzen: Ab Februar 2026 dürfen sie bei bayerischen Meisterschaften antreten. Endlich also die Möglichkeit, sich mit anderen Gruppen zu messen! Es ist spannend zu sehen, wie „Goaßlklang“ und eine Gruppe aus Agatharied die ersten beiden Frauenmannschaften in Bayern bilden. Das ist ein echter Fortschritt und zeigt, dass Traditionen lebendig sind und sich weiterentwickeln können.
Ein steiniger Weg zum ersten Auftritt
Doch das Erlernen dieser Kunst ist alles andere als ein Spaziergang. Die erfahrenen Schnalzer, die im Kurs die Bewegungen vorführten, ließen die Anfänger oft frustriert zurück. Die Bewegungen mussten immer wieder korrigiert werden, und nach zwei Stunden waren die richtigen Knalle rar gesät. Die Armmuskulatur ermüdete schnell, und ja, an den Zeigefingern gab’s die ersten Blasen – ein kleines Zeichen der Entbehrungen auf dem Weg zum Erfolg. Richard Teichner, der Erste Vorstand, hat die Teilnehmer gleich zu Beginn darauf vorbereitet, dass es am ersten Tag wohl noch nicht so klappen wird. Ein guter Rat, denn so blieb der Spaß trotzdem im Vordergrund!
Eine der jüngeren Teilnehmerinnen, die 27-jährige Raphaela Mendel, ist im Vorjahr über einen Grundkurs zu den Schnalzern gekommen und mittlerweile ein aktives Mitglied der Gruppe. Sie strahlt vor Begeisterung, wenn sie erzählt, wie viel Spaß ihr das Goaßlschnalzen macht und dass sie dabeibleiben möchte. Ihr Weg zum ersten Auftritt führt über regelmäßiges Üben, bis die einzelnen Geräusche zu einem harmonischen Knall im richtigen Rhythmus werden.
Bayerische Meisterschaft in Weilheim
Für alle Schnalzer und Schnalzerinnen wird es im kommenden Jahr spannend! Am 3. Oktober 2026 findet in der Hochlandhalle Weilheim die Bayerische Meisterschaft im Gruppengoaßlschnalzen statt. Mehr als 20 Gruppen aus ganz Bayern werden erwartet, die im traditionellen Gruppenschnalzen gegeneinander antreten. Bewertet werden nicht nur Taktgefühl und Präzision, sondern auch das Zusammenspiel der Gruppen – da wird ordentlich was geboten! Und für alle Zuschauer: Der Eintritt kostet 8 Euro, und für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Ein Besuch lohnt sich!
Goaßlschnalzen hat eine lange Tradition, die bis zu den Fuhrleuten reicht, die mit ihren Peitschen knallten, um auf sich aufmerksam zu machen. Es ist ein Brauch, der sich im Laufe der Jahre gewandelt hat, aber die Leidenschaft und das Geschick, die dafür nötig sind, bleiben unverändert. Sicher ist: Die bayerische Meisterschaft wird ein Highlight im Kalender der Region und ein Fest für alle, die die Kultur und Tradition des Goaßlschnalzens schätzen. Also, traut euch und schwingt die Peitsche!
