In Regensburg, wo die Donau sanft durch die Altstadt fließt und die Menschen, selbst bei Regen, gerne draußen sitzen, steht der 23. Mai vor der Tür – ein ganz besonderer Tag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat diesen Tag zum ersten bundesweiten Ehrentag ausgerufen. Das ist ein Grund zur Freude, denn damit wird das Ehrenamt in Deutschland aufs Podest gehoben. Unter dem Motto „Für Dich. Für uns. Für alle“ wird die Verfassung gewürdigt und das Engagement der vielen Ehrenamtlichen gefeiert. In ganz Deutschland, und besonders hier in Bayern, wird das Engagement in der Gesellschaft mit verschiedenen Aktionen gefördert.

Es ist beeindruckend zu sehen, dass rund 36,7% der Gesamtbevölkerung sich aktiv im Ehrenamt engagiert. Das sind etwa 27 Millionen Menschen in Deutschland – und davon machen 40% allein in Bayern mit. Die Zahlen sprechen für sich! In klassischen Vereinen und Verbänden sind 54% der Freiwilligen aktiv, und das Engagement bei den Senioren zwischen 65 und 74 Jahren liegt bei bemerkenswerten 36,9%. Das zeigt, wie wichtig die Gemeinschaft auch im Alter ist.

Ein Blick auf die Zahlen

Wenn wir uns die Altersgruppen genauer ansehen, fällt auf, dass die höchste Beteiligung bei den 30- bis 49-Jährigen mit 40,4% zu finden ist, gefolgt von den jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren, die ebenfalls 40% ausmachen. Doch, und das ist ein bisschen besorgniserregend, gibt es einen Rückgang der Ehrenamtlichen in allen Altersgruppen. Besonders auffällig ist der Rückgang bei den 30- bis 49-Jährigen, wo die Quote von 44,7% in 2019 auf 40,4% in 2024 gefallen ist. Die Gründe? Zeitmangel und die veränderte Arbeitswelt spielen dabei eine große Rolle.

Jörg Steinbach, der sich in der Hausaufgabenbetreuung und als Alltagslotse engagiert, ist da ganz klar: Ehrenamtliche haben oft keine Mitarbeiter an ihrer Seite. Das macht die Herausforderungen nicht geringer. Dabei ist das Ehrenamt nicht nur ein persönliches Engagement, sondern auch ein Trainingsfeld für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Besonders in Bereichen wie Katastrophenschutz und Rettungsdiensten ist das Engagement von unschätzbarem Wert.

Olaf Schillig ist in mehreren Ämtern aktiv, auch beim Deutschen Alpenverein. Seine Erfahrungen zeigen, wie viel Freude das Ehrenamt bringen kann. Die jungen Ehrenamtlichen im Bayerischen Roten Kreuz betonen die Verantwortung und die Vorbildfunktion, die sie übernehmen. Das Engagement ist für viele nicht nur eine Aufgabe, sondern ein Teil ihrer Identität. Interessanterweise wollen 80% der Ehrenamtlichen ihr Engagement fortsetzen, was Hoffnung für die Zukunft gibt.

Ein Blick in die Zukunft

Ein weiteres wichtiges Tool für die Ehrenamtsarbeit in Deutschland ist der Deutsche Freiwilligensurvey, der seit 1999 alle fünf Jahre durchgeführt wird. Die Daten, basierend auf einer repräsentativen Umfrage von über 27.000 Menschen, bieten wertvolle Einblicke in das freiwillige Engagement und dessen Entwicklung. Am 14. November 2025 wird der Kurzbericht des sechsten Freiwilligensurveys veröffentlicht – ein Ereignis, das viele in der Szene mit Spannung erwarten. Die Ergebnisse sind online verfügbar und werden sicher Impulse für die Engagementpolitik setzen. Wer sich für diese Themen interessiert, sollte sich unbedingt mit den Daten auseinandersetzen und seine Programme entsprechend anpassen.

Die Diskussion um das Ehrenamt wird auch von politischen Akteuren begleitet. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in letzter Zeit gefordert, dass Bürgergeldempfänger gemeinnützige Arbeit leisten sollten. Jörg Steinbach hat diesen Ansatz kritisiert und die Wichtigkeit der Freiwilligkeit im Ehrenamt betont. Das bringt uns zurück zum Kern des Ehrenamts: Es sollte aus Überzeugung und nicht aus Zwang geschehen. Denn nur so kann es wirklich einen Unterschied machen.