Heute ist der 3.05.2026 und wir blicken zurück auf einen aufreibenden Vorfall, der sich im Oberallgäu ereignet hat. Am 17. April 2023 nahm das Jugendamt Oberallgäu alle Kinder aus einem Heim der Hamburger Himmelsstürmer gGmbH in Obhut. Ein Schritt, der ohne Vorwarnung kam und die Kinder direkt aus Kita und Schule abholte. Das Heim, eine Tochtergesellschaft des Vereins „Mission Freedom“, der von Gaby Wentland gegründet wurde, betreibt Schutzhäuser für mutmaßliche Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution – eine noble Absicht, die allerdings auf teils skandalöse Weise in die Brüche ging.
Das Jugendamt entschied sich zu diesem drastischen Schritt aufgrund einer „dringenden Gefährdung“. Man hatte festgestellt, dass die Qualitätsanforderungen für die Betreuung nicht erfüllt wurden. Im „Haus Seenest“, dem bayerischen Pendant, waren die Kinder Berichten zufolge „fragwürdigen Erziehungsmaßnahmen“ ausgesetzt, was natürlich die Alarmglocken läuten ließ. Unangemessene freiheitsbeschränkende Maßnahmen standen im Raum, und die pädagogische Leiterin des Heimes erhielt ein Tätigkeitsverbot, das vom Verwaltungsgericht Augsburg bestätigt wurde. Hier fragt man sich: Wie konnte es so weit kommen?
Die Schattenseiten von „Mission Freedom“
Die Hamburger Behörden haben mittlerweile eine klare Haltung eingenommen. Eine Zusammenarbeit mit „Mission Freedom“ lehnen sie ab, und das aus gutem Grund: Die spezifisch religiöse Ausrichtung und die damit verbundenen Methoden im Umgang mit den Betroffenen werfen erhebliche Fragen auf. Kritische Stimmen, wie die des Recherche-Kollektivs Fundiwatch, stellen die ethischen Grundsätze der sozialen Arbeit infrage. Sie argumentieren, dass diese nicht mit dem Missionsauftrag der Organisation vereinbar sind. Das lässt einen nachdenklich zurück, wenn man sich die Situation der Kinder vor Augen führt.
In Bayern wurde das „Haus Seenest“ genehmigt, um Kinder und Jugendliche mit traumatischen Erfahrungen zu betreuen. Doch auch hier gibt es Bedenken. Nach der Inobhutnahme wurden nachträgliche Auflagen erlassen, einschließlich einer behördlichen Zustimmung für Neuaufnahmen. Der Regierungsbezirk Schwaben prüft sogar den Widerruf der Betriebserlaubnis für das Heim. Vor zwei Jahren schien alles noch in Ordnung zu sein – keine festgestellten Verstöße bei heimaufsichtlichen Begehungen. Komisch, oder?
Eine kritische Auseinandersetzung
Die bayerische Landesregierung hat die Kritik an „Mission Freedom“ erst kürzlich zur Kenntnis genommen, und das Hamburger Landeskriminalamt hat ebenfalls Bedenken geäußert. Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit fordert strengere Kontrollen der Träger. Dabei betont das Jugendamt Oberallgäu, dass die religiöse Ausrichtung des Heims nicht der Grund für die Inobhutnahme war. Fragen zur Verbindung zwischen den fragwürdigen Erziehungsmaßnahmen und der christlich fundamentalistischen Überzeugung blieben bisher unbeantwortet. Hier ist ein klarer Dialog gefordert!
Und das ist noch nicht alles. Weder die Himmelsstürmer gGmbH noch „Mission Freedom“ haben auf Anfragen um Stellungnahme reagiert. Ein Schweigen, das nicht nur unbehaglich ist, sondern auch das Vertrauen in die Träger der sozialen Arbeit erschüttert. Was wird aus den Kindern, die aus einem solch fragwürdigen Umfeld gerettet wurden? Das bleibt ungewiss.