In den letzten Jahren ist ein Thema, das viele Landwirte und deren Angehörige betrifft, stärker in den Fokus gerückt – die mögliche Verbindung zwischen der Anwendung von Pestiziden und Parkinsonkrankheiten. Laut bayerische-staatszeitung.de sind bis Ende April 2026 bereits 900 Parkinsonfälle in Deutschland als Berufskrankheit anerkannt worden, während Hunderte weitere Anträge noch auf Anerkennung warten. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei gefährlichen Chemikalien wie Glyphosat, einem umstrittenen Pflanzenschutzmittel, das EU-weit bis mindestens 2033 verwendet werden darf.

Der Chefarzt der Neurologie, Martin Winterholler, weist darauf hin, dass zahlreiche Pflanzenschutzmittel das Risiko für die Krankheit erhöhen können. Während ein direkter Zusammenhang zwischen Pestizidexposition und Edward Parkinskrankheit noch nicht eindeutig bewiesen ist, gibt es in den USA bereits regionale Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit von Parkinson und dem Wein- und Gemüseanbau. In diesem Kontext hat der Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten (ÄSVB) bereits im September 2025 empfohlen, das „Parkinsonsyndrom durch Pestizide“ in die Liste der Berufskrankheiten aufzunehmen.

Anerkennung der Berufskrankheit

Ein markantes Beispiel ist Ulrich Elixmann, ein ehemaliger Gemeindegärtner, der 17 Jahre für die Anerkennung seiner Parkinsonerkrankung als Berufskrankheit kämpfte. Er erhielt 2025 einen Preis von der Deutschen Parkinsonhilfe, verstarb jedoch kürzlich im Alter von 65 Jahren. Auch wenn es noch viele Herausforderungen auf diesem Weg gibt, sind Fortschritte in der Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit für Landwirte in Deutschland deutlich erkennbar.

Die aktuelle Situation ist jedoch nach wie vor komplex. Bislang warten 1200 Parkinsonpatienten bundesweit auf die Anerkennung ihrer Erkrankung als Berufskrankheit. Initiativen, die auf die Probleme aufmerksam machen und die Vorschriften kritisieren, sind zunehmend notwendig. Es wird gefordert, dass die Verantwortung für die Gesundheit der Arbeiter:innen sowohl beim Staat als auch bei der Industrie liegt.

Pestizidforschung und Transparenz

Forschungsergebnisse zeigen, dass viele der verwendeten Pestizide potenziell gefährlich sind. Nach Angaben von umweltinstitut.org wurde seit 2001 eine umfassende Forschung zur Verbindung zwischen Parkinson-Erkrankungen und Pestizidanwendungen durchgeführt. Es existiert ein staatliches Parkinson-Register, das sich über die Jahre hinweg auch mit Lebensumständen und biologischen Proben der Betroffenen befasst.

Eine interessante Erkenntnis ist, dass 53 von etwa 300 untersuchten Pestiziden mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Verbindung stehen. Zudem besteht der Verdacht, dass die Kombination verschiedener Pestizide gefährlicher sein kann als deren Einzelanwendung. Umso wichtiger ist eine transparente Veröffentlichung von Anwendungserhebungen, um die Bevölkerung besser zu informieren und aufzuklären.

In Bayern wurden 2023 rund 2852 Tonnen chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verwendet, was einen Rückgang von 18% im Vergleich zu den Jahren 2014-2018 darstellt. Doch noch immer wird von Kritikern auf den Mangel an Post-Market Surveillance hingewiesen, welches die Auswirkungen von Pestiziden nach ihrer Zulassung unter die Lupe nehmen sollte.

Der Diskurs über Pflanzenschutzmittel und deren Auswirkungen auf die Gesundheit ist höchst aktuell. Die bayerische Staatsregierung plant, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bis 2028 um die Hälfte zu reduzieren. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist die Empfehlung des ÄSVB, die Berufskrankheit im Ministerialblatt zu veröffentlichen, um das Bewusstsein für diese Problematik weiter zu schärfen und mehr Schutz für die Betroffenen zu bieten, wie kürzlich auf bmas.de berichtet wurde.