Die Nürnberger Altstadt, ein wahres Juwel der Geschichte, hat im 19. und 20. Jahrhundert einen spürbaren Wandel erfahren. Die Zeit war geprägt von einer Bautätigkeit, die den historischen Kern der Stadt nachhaltig veränderte. In den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche jahrhundertealte Bürgerhäuser und Nebengebäude abgerissen, um Platz für große Neubauten zu schaffen. Diese Veränderungen führten zur Entstehung luxuriöser Kaufhäuser, Hotels und Restaurants, die den kleinen Einzelhandel in den Schatten stellten.

Ein bemerkenswertes Beispiel für diese Entwicklung ist das Kaufhaus der Brüder Adolf und Theodor Manes, das zwischen 1905 und 1906 am Ludwigsplatz 15/17 errichtet wurde. Um Platz für das neue Fachgeschäft für Herren- und Knabenbekleidung zu schaffen, mussten ein Handwerkerhaus und ein mittelalterliches Stirnhaus weichen. Der Architekt Hans Müller entwarf das Gebäude im „Nürnberger Stil“, der geschickt Elemente der Spätgotik und der Renaissance kombinierte. Die Fassade, verkleidet mit lokalem Sandstein, besticht durch ihre malerische Gliederung und die kunstvollen Reliefs. Besonders eindrucksvoll sind die riesigen Arkaden, die Licht in die Verkaufsräume lassen und Raum für ansprechende Auslagen bieten.

Von Glanz und Elend

Die Geschichte des Kaufhauses Manes ist jedoch nicht nur eine Geschichte des Erfolgs. Im Jahr 1945 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff schwer beschädigt und erlebte durch Plünderer eine weitere Tragödie, als es in Brand gesteckt wurde. Trotz dieser Zerstörungen hatte das Unternehmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits zehn Filialen im Deutschen Reich. Der Antisemitismus der Nazis führte zur „Arisierung“ der Firma; sie wurde fortan von Hoffmann & Wagner und später von Schreiber & Sundermann weitergeführt.

Nach dem Krieg erfuhr das Kaufhaus einen Wiederaufbau im Stil der 1950er Jahre, wobei Müllers ursprünglicher Entwurf berücksichtigt wurde. Die Arkaden blieben erhalten, und die Tradition der Herrenbekleidung setzte sich durch das Modehaus Eckerle fort, das die Geschichte des Ortes auch in den folgenden Jahren prägte. Allerdings steht die Immobilie seit der Schließung von Eckerle im Jahr 2024 leer, und es ist geplant, dass die Verkaufsräume des Juweliers Wempe einziehen.

Ein Denkmal der Kaufhauskultur

Das Kaufhaus Manes ist nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch ein bedeutendes Stück deutsch-jüdischen Unternehmertums, das an die glanzvolle Kaufhauskultur Nürnbergs erinnert. Es spiegelt die Veränderungen wider, die die Stadt im Laufe der Jahrhunderte durchlebt hat – von der Blütezeit des Einzelhandels bis hin zu den dunklen Kapiteln der Geschichte, die auch hier nicht haltmachten. Die Erhaltung solcher Gebäude ist entscheidend, um die Erinnerungen und Geschichten, die sie in sich tragen, für zukünftige Generationen lebendig zu halten. Es bleibt zu hoffen, dass die Räumlichkeiten am Ludwigsplatz bald wieder mit Leben gefüllt werden und ein neues Kapitel in der Geschichte des Nürnberger Einzelhandels aufgeschlagen wird.