Heute ist der 29.04.2026. Die Pfarrei St. Sebald in Nürnberg plant, ab dem 17. Mai 2026 als erste evangelische Kirche in Deutschland Eintritt von Touristen zu verlangen. Diese Entscheidung kommt nicht von ungefähr, denn die Kirchen in Bayern haben zunehmend finanzielle Probleme. Fehlende Spenden und ein Rückgang der Mitgliederzahlen machen den Erhalt solcher historischen Bauwerke zu einer echten Herausforderung. Im Jahr 2025 besuchten über 500.000 Menschen die evangelische Kirche St. Sebald, und dennoch sind die Spendeneinnahmen sowie die Anzahl der Kirchensteuerzahler seit Jahren rückläufig.

Der Stadtdekan von Nürnberg, Jürgen Körnlein, betont, dass die Kirche zusätzliche Einnahmen benötigt, um den laufenden Unterhalt von über 300.000 Euro jährlich zu sichern. Die Unterstützung von der Landeskirche beträgt lediglich 50.000 Euro pro Jahr, was die Situation der Pfarrei zusätzlich verschärft. Der Eintrittspreis für Touristen wird auf fünf Euro festgelegt, während eine Jahreskarte für 15 Euro erhältlich sein wird. Gemeindemitglieder, Vereins- und Chorangehörige sowie Gottesdienstbesucher müssen selbstverständlich keinen Eintritt zahlen.

Eintrittsgelder als neue Realität

Christine Büttner, Sprecherin der evangelischen Landeskirche, erklärt, dass die Erhebung von Eintrittsgeldern nur für hochfrequentierte Kirchen in Betracht gezogen wird. Ein ähnliches Modell praktiziert die Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber, die seit 120 Jahren Eintritt verlangt, um die Bauhütte für Steinmetze zu erhalten. Dort kostet der Eintritt derzeit 3,50 Euro und wird ab Sommer auf 5 Euro erhöht. Kritische Stimmen äußern Bedenken über mögliche Geldgier, jedoch zeigen viele Verständnis für die Notwendigkeit dieser Eintrittsgelder, um die historische Substanz der Kirchen zu erhalten.

Ein weiterer Aspekt ist die Entwicklung der Mitgliederzahlen in Deutschland. Die evangelische und katholische Kirche besitzen ein Milliardenvermögen, deren genaue Höhe jedoch unklar bleibt. Beide Kirchen verlieren jährlich Hunderttausende Mitglieder durch Austritte und Todesfälle, was zu einem dramatischen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen führt. Ende 2024 gab es erstmals mehr konfessionslose Menschen als Mitglieder der beiden großen Kirchen zusammen. Dies stellt die Kirchen vor die Herausforderung, ihre Strukturen zu überdenken und umzuorganisieren, um den demographischen Wandel und die sinkenden Einnahmen zu bewältigen.

Finanzielle Umstrukturierungen in der Kirche

Die Kirchen müssen nun Rücklagen für Pensionsansprüche der verbeamteten Pfarrerinnen und Priesterinnen bilden. Um den finanziellen Druck zu mindern, sind Maßnahmen wie das Zusammenlegen von Kirchengemeinden, der Verkauf von Kirchengebäuden und Pfarrhäusern sowie Kürzungen bei Zuschüssen unumgänglich. Matthias Kopp von der Deutschen Bischofskonferenz warnt bereits vor Einschnitten in Personal und Jugendarbeit, die durch die sinkenden Einnahmen unausweichlich werden.

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass in Ländern wie Frankreich Kirchen hauptsächlich durch Kollekten und Spenden finanziert werden, was zu niedrigeren Gehältern für Geistliche führt. Die evangelische Kirche in Deutschland ist in 20 Landeskirchen und die katholische in 27 Bistümer unterteilt, wobei viele Pfarreien autark agieren. Trotz dieser Herausforderungen bezeichnet Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode, das Kirchensteuersystem als solidarisch, effizient und verlässlich.

Die Diskussion um Eintrittsgelder und finanzielle Umstrukturierungen in der Kirche ist also nicht nur lokal, sondern spiegelt einen breiten gesellschaftlichen Wandel wider. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklungen auf die Kirchenlandschaft in Deutschland auswirken werden.