Abriss der Elefantensiedlung in Neu-Ulm: Erinnerungen und Widerstand der Bewohner
In der Elefantensiedlung von Neu-Ulm, einem Ort mit Geschichte und Geschichten, stehen die ersten Abrisse bevor. Die Siedlung, die in den 1950er-Jahren als Ersatzwohnraum für Menschen aus der Reinhardt-Kaserne erbaut wurde, beherbergt heute rund 700 Menschen, die in etwa 360 Wohnungen leben. Die ersten Gebäude sollen in den kommenden Tagen und Wochen dem Erdboden gleichgemacht werden. Das ganze Areal erstreckt sich über neun Hektar und liegt malerisch südlich des Gewerbegebiets Starkfeld – zwischen Vorwerkstraße und Finninger Straße. Ein Teil der Bundesfestung Ulm und die ukrainisch-katholische Kirche Maria Himmelfahrt sind ebenfalls angesiedelt.
Ein kleiner Elefant, genauer gesagt die Skulptur einer Elefantenkuh mit ihrem Jungtier, gibt der Siedlung ihren Namen. Künstler Max Pöppel schuf dieses Werk ursprünglich für eine Siedlung, die für „displaced persons“ gedacht war – Menschen, die den Schrecken des Krieges überlebt hatten, darunter Zwangsarbeiter und befreite KZ-Häftlinge. Diese historische Verbindung macht die bevorstehenden Veränderungen umso schmerzhafter für viele Bewohnerinnen und Bewohner, die oft seit ihrer Kindheit hier leben und sich mit ihrem Zuhause identifizieren.
Die Herausforderungen der Sanierung
Die Stadt Neu-Ulm plant, das Gebiet offiziell als Sanierungsgebiet auszuweisen. Das Ziel: Fördermittel von Bund und Land zu erhalten, um die maroden Gebäude abzureißen und Neues zu schaffen. Die städtische Wohnungsgesellschaft Nuwog, die alle Gebäude seit den 1990er-Jahren verwaltet, hat festgestellt, dass viele Häuser erhebliche bauliche Mängel aufweisen. Risse und der allgemein desolate Zustand der Gebäude lassen kaum noch an eine zukünftige Nutzung denken. Einige Häuser sind bereits geräumt, während für andere Bewohner der Umzug bevorsteht – insgesamt müssen 15 Mieter ihre Wohnungen verlassen, darunter zwei besonders marode Häuser, die laut Nuwog so instabil sind, dass sie abgestützt werden müssen.
Die betroffenen Menschen fragen sich: Wo sollen wir unterkommen? Den ausziehenden Bewohnern wurden jeweils fünf bis sechs bezahlbare Ersatzwohnungen angeboten. Für ältere Menschen bietet die Nuwog Unterstützung beim Umzug und hilft, wenn nötig, auch beim Erwerb eines Wohnberechtigungsscheins. Doch das sorgt nicht überall für Begeisterung. Mehr als 50 Menschen haben sich gegen die Abrisspläne zusammengeschlossen und sammeln Unterschriften, um Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger zu zeigen, dass sie nicht einfach so aus ihrer Heimat vertrieben werden wollen.
Die Frage bleibt, ob die Bewohner nach dem Neubau an denselben Standorten zurückkehren können oder wollen. Während die Stadt und die Nuwog in diesem Prozess keine Alternative zum Abriss sehen, bleibt vielen der alte Kram im Herzen hängen. Die Umsiedlung hat bereits begonnen, und die ersten fünf Gebäude sind bereits geräumt. Doch der Widerstand der Anwohner zeigt, dass nicht jeder mit den Entscheidungen einverstanden ist. Eine Informationsveranstaltung zur weiteren Entwicklung ist für Montag, den 9. November, um 18:30 Uhr im Edwin-Scharff-Haus geplant. Hier können Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen und Anregungen einbringen und sich über die Zukunft der Elefantensiedlung informieren.
Die Geschichte dieser Siedlung ist mehr als nur eine chronologische Aneinanderreihung von Fakten. Sie ist das Leben vieler Menschen, die sich hier eine Heimat aufgebaut haben. Und trotz der bevorstehenden Veränderungen bleibt die Hoffnung, dass aus den Trümmern auch etwas Neues und Besseres erwachsen kann. Aber das wird Zeit brauchen. Und während die ersten Bagger anrollen, bleibt die Frage: Was wird aus den Erinnerungen, die in diesen Wänden festgehalten sind?
