Reinz-Dichtungs-GmbH plant Stellenabbau in Neu-Ulm aufgrund sinkender Nachfrage nach Verbrennungsmotoren
In Neu-Ulm gibt es leider keine guten Nachrichten für die Belegschaft der Reinz-Dichtungs-GmbH. Das Unternehmen, das zur US-amerikanischen Dana-Gruppe gehört, plant einen erneuten Stellenabbau. Und das, obwohl der Standort seit mehr als 100 Jahren fest in der Region verwurzelt ist und zuletzt rund 1100 Menschen beschäftigte. Am 29. Oktober wurden die Mitarbeiter über die bevorstehenden Einschnitte informiert. Gespräche mit dem Betriebsrat sind bereits im Gange, doch die Stimmung ist angespannt. Wieder einmal müssen die Beschäftigten um ihre Jobs bangen.
Der Grund für die drastischen Maßnahmen ist der spürbare Rückgang bei der Produktion von Verbrennungsmotoren. Weniger Motoren bedeuten weniger Bedarf an Dichtungen – und das merkt Reinz. Im Geschäftsbereich Erstausrüstung beliefert das Unternehmen Auto- und Motorenhersteller direkt. Da die Neuzulassungen von Verbrennern weltweit sinken, stagniert auch die Motorenproduktion. Der Markt wandelt sich, und Reinz hat sich mehr Wachstum im Wasserstoffsektor erhofft, als tatsächlich eingetreten ist.
Wachstum und Herausforderungen
Die Reinz-Dichtungs-GmbH sieht zwar in bestimmten Bereichen Wachstumsmöglichkeiten, doch die Realität ist, dass die Erstausrüstung stark vom Verbrennungsmotor abhängt. Die Prognosen für das Geschäftsjahr 2026/2027 deuten auf einen deutlich niedrigeren Umsatz hin. Und das ist nicht alles: Auch in den kommenden Jahren, speziell ab 2027/2028, wird ein weiterer moderater Umsatzrückgang in der Erstausrüstung erwartet.
Was die Zahlen betrifft, so hat das Unternehmen keine konkreten Angaben zu den betroffenen Stellen gemacht. Insiderberichten zufolge könnten 100 bis 120 Stellen in allen Funktionsbereichen wegfallen. Der Stellenabbau soll sozialverträglich erfolgen – eine nette Absicht, die jedoch in der Praxis oft schwer umzusetzen ist. Betriebsbedingte Kündigungen sollen zwar vermieden werden, doch die Realität sieht oft anders aus.
Der Wandel der Automobilindustrie
Die Automobilindustrie steht insgesamt vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Umstellung auf Elektromobilität wird voraussichtlich erhebliche Beschäftigungsverluste in der gesamten Branche nach sich ziehen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sowie Zulieferer wie Reinz sind hiervon betroffen. Studien zeigen, dass die Elektrifizierung der Neuwagenflotte zu einem Rückgang von rund 170.000 Beschäftigten führen könnte, darunter Hersteller und Zulieferer. Das sind alarmierende Zahlen, die zum Nachdenken anregen.
Elektroantriebe bestehen aus weniger Komponenten als traditionelle Kolbenmotoren. Das führt zu weniger Wartungsaufwand – und damit auch zu weniger benötigten Dichtungen. Dabei hat Reinz sich auf den Ersatzteilmarkt und spezielle Dichtungskonzepte für industrielle Anwendungen fokussiert, um diese Entwicklungen abzufedern. Das Wasserstoffgeschäft bleibt ein Hoffnungsstrahl, auch wenn Kundenprojekte teilweise kleiner und später als erwartet gestartet sind.
Die Zukunft von Reinz und Neu-Ulm
Die Belegschaft in Neu-Ulm hofft auf einen Lichtblick. Geschäftsführer Stefan Genelin versicherte, dass die Neuausrichtung 2025 das Ergebnis verbessert hat. Dennoch bleibt die Frage offen, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern. Reinz hat angekündigt, bis 2029 jährlich zehn Millionen Euro einzusparen, wobei diese Einsparungen nicht nur durch Personalabbau, sondern auch durch Umstrukturierungen erreicht werden sollen. Ein anspruchsvolles Unterfangen, das noch viele Herausforderungen birgt.
Der Standort Neu-Ulm hat eine lange Tradition – die Mitarbeiter haben viel Herzblut in ihre Arbeit gesteckt. Es bleibt zu hoffen, dass Reinz die richtigen Schritte unternimmt, um die Zukunft hier nachhaltig zu gestalten. Schließlich sind nicht nur Dichtungen gefragt, sondern auch die Menschen, die sie herstellen. Und das ist es, was die Region lebendig macht.
