Heute ist der 27.04.2026 und die Kulturmetropole München hat wieder einmal einen musikalischen Hochgenuss zu bieten. Im Rahmen der renommierten Musica viva präsentierte sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in voller Pracht. Unter der Leitung des versierten Enno Poppe eröffnete das Orchester mit einem Programm, das sowohl Tradition als auch innovative Klänge in den Mittelpunkt stellte. Ein Highlight war die deutsche Erstaufführung von Beat Furrers zweitem Klavierkonzert, das zuvor im September in Genf seine Uraufführung feierte.

Am Klavier saß der talentierte Francesco Piemontesi, dessen Spiel von motorisch rasenden Clustern geprägt war. Furrers Auftritt ist von einer antiromantischen Attitüde gekennzeichnet, wobei das Klavier nicht nur als Melodieinstrument, sondern vielmehr als Schlagzeug betrachtet wird. Diese Herangehensweise eröffnet neue akustische Dimensionen, in denen der Klang aus dem Nebeneinander von Schlagen und Streichen entsteht. Piemontesi verlängerte mit geschicktem Pedaleinsatz den Nachklang des Resonanzbodens und schuf so eine traumverlorene Atmosphäre, die das Publikum in ihren Bann zog.

Ein Spiel zwischen Klängen und Emotionen

Die musikalische Reise setzte sich mit Furrers Anti-Kadenz fort, die die physische Virtuosität ins Schlichte zurücknimmt. Hierbei entfaltet sich der historische Gegensatz von Schlagen und Singen auf dem Klavier auf eindrucksvolle Weise. Auch die traumverlorenen Arpeggien des Klaviers dienten als Überleitung zu einem weiteren Höhepunkt des Abends: Piemontesi, der bereits Erfahrung mit den Werken von Schumann und Brahms hat, beeindruckte das Publikum mit dem B-Dur-Adagio aus Mozarts Sonate KV 332 als Zugabe.

Ein weiterer bemerkenswerter Teil des Programms war das Solostück „Meduse“ von Lisa Streich, das von Martin Angerer mit einer bemerkenswerten Zartheit gespielt wurde. Diese Komposition wechselt zwischen mikrotonal verschmutzten Märschen und klagenden Kadenzen und zeigt einmal mehr die Vielfalt der zeitgenössischen Musik. Außerdem vertonte Enno Poppe drei Prosaminiaturen von Lydia Davis in seinem Werk „What I feel“, das sich mit der Ironie des Missverhältnisses von Privatheit und dem Pomp des Apparats auseinandersetzt.

Ein Abend, der zum Nachdenken anregt

Die Musica viva in München ist nicht nur ein Ort für innovative Musik, sondern auch eine Plattform, die zum Nachdenken anregt. Die Konzerte laden die Zuhörer ein, sich mit der Bedeutung von Klang und Stille auseinanderzusetzen und die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Mit einem Programm, das sowohl alte Meister als auch zeitgenössische Komponisten umfasst, wird die Vielfalt der Musik in all ihren Facetten zelebriert.

Der Abend war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Musik als Ausdruck von Emotionen und Gedanken dienen kann. In Zeiten, in denen das Leben oft hektisch und laut ist, bietet die Musica viva einen Rückzugsort, an dem sich das Publikum auf die Klänge der Gegenwart einlassen kann.