Am 16. Juni fand am Ruperti-Gymnasium in Mühldorf ein ganz besonderer Vortrag statt. Julian Leske, 34 Jahre alt und selbst Autist mit Asperger-Syndrom, trat vor die Schüler, um über seine Erfahrungen zu sprechen. Die Veranstaltung war Teil der Kampagne „Lernen vor Ort“, die von Studiendirektorin Angela Schadhauser und Studiendirektor Dieter Langenfelder organisiert wurde. Ziel des Vortrags? Den Jugendlichen, die ähnliche Herausforderungen erleben, eine Stimme zu geben und ihnen Unterstützung zu bieten. Das Ruperti-Gymnasium hat sich in diesem Schuljahr zur Inklusionsschule gewandelt – ein Schritt in die richtige Richtung!

Leske hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bereits seit seinem zwölften Lebensjahr wurde der Verdacht auf Autismus geäußert, mit 16 Jahren erhielt er schließlich die Diagnose. „Wenn man einen Menschen mit Autismus kennt, kennt man einen Menschen mit Autismus“, betont Leske und macht damit deutlich, wie individuell diese Wahrnehmung ist. Seine eigenen Erfahrungen sind geprägt von Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen und einem besonderen Bedürfnis nach Struktur, vor allem in stressigen Situationen. Kindheitserinnerungen, wie das Spannen von Seilen im Kinderzimmer zur Beruhigung, machen deutlich, wie er versucht hat, mit seiner Welt zurechtzukommen.

Einblicke in das Leben eines Autisten

Die Herausforderungen, die Leske durch seine Beeinträchtigungen in der Fein- und Grobmotorik sowie im Rechnen und Zeitverständnis hat, sind ein Teil seiner Realität. Trotzdem hat er nie aufgegeben. Intensive Betreuung half ihm, grundlegende Fähigkeiten zu erlernen, und er fand einen Weg, sich im Berufsleben zu behaupten. Der Werdegang zum Verwaltungsfachangestellten, trotz des Abbruchs des Fachabiturs wegen Mathematik, ist ein Beweis für seinen Willen. Er wurde sogar verbeamtet – ein echter Erfolg!

Besonders faszinierend ist sein Rückzugsort: der Zug. Dort hört er gerne Hardcore-Techno und findet einen Moment der Ruhe und Abgeschiedenheit. In diesen Zügen, umgeben von der vorbeiziehenden Landschaft, kann er einfach er selbst sein. Auch wenn er seinen Autismus nicht loswerden möchte, sieht er ihn als Behinderung, die seine Weiterentwicklung beeinflusst. Ein ständiger Balanceakt zwischen Akzeptanz und den Herausforderungen des Alltags.

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Eine neue Perspektive auf Autismus

Leske zeigt in seinem Vortrag, wie wichtig es ist, das eigene Ich zu akzeptieren und gleichzeitig Wege zu finden, um mit den eigenen Einschränkungen umzugehen. Die Schüler hörten gebannt zu, während er seine Geschichte erzählte und ihnen gleichzeitig Verständnis für Menschen mit Autismus näherbrachte. Der Vortrag war eine Einladung, über den Tellerrand zu schauen und Empathie für andere zu entwickeln – eine Fähigkeit, die in der heutigen Gesellschaft oft zu kurz kommt.

In einer Welt, die immer schneller und komplexer wird, ist es wichtig, Perspektiven wie die von Julian Leske zu hören. Sein Anliegen, anderen zu helfen und ihnen Mut zu machen, ist ein Lichtblick. Vielleicht kann sein Beispiel auch einige Schüler dazu inspirieren, ihre eigenen Herausforderungen mit mehr Verständnis und Offenheit zu begegnen. Auf jeden Fall hat dieser Vortrag nicht nur informiert, sondern auch berührt und zum Nachdenken angeregt.

In Mühldorf am Inn, wo sich die Menschen kennen und oft auch helfen, ist es schön zu sehen, dass solche Themen nicht nur in der Theorie behandelt werden, sondern ganz konkret in den Schulen ankommen. Vielleicht ist das der Anfang eines neuen Bewusstseins, das in der Region weiterwachsen kann.

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