Die Bootssaison am Bayerischen Bodensee hat begonnen, und die Vorfreude ist groß – vor allem für die Bootsliebhaber in Lindau. Doch während die Wellen sanft plätschern und die Sonne über dem Wasser strahlt, hat die Realität für viele angehende Skipper einen bitteren Beigeschmack: Die Warteliste für Liegeplätze bewegt sich kaum, und Geduld ist gefragt. Ein Leser, der bereits 2012 einen Antrag auf einen Liegeplatz am Kleinen See stellte, wartet noch immer auf eine positive Rückmeldung. Aktuell stehen 217 Bewerber auf der Warteliste für den Kleinen See, während im Lindauer Seehafen 86 Personen um einen der begehrten Plätze kämpfen.

Die Situation ist angespannt, denn im Lindauer Seehafen gibt es nur rund 80 städtische Liegeplätze und am Kleinen See stehen etwa 280 zur Verfügung. Insgesamt gibt es in Lindau rund 360 Liegeplätze, darunter 20-30 saisonale Gastliegeplätze. Die lange Wartezeit ist ein Resultat eines Systems mit wenig Bewegung: Dauerliegeplätze werden nur bei Kündigung eines bestehenden Platzes neu vergeben. Eignergemeinschaften innerhalb der Familie dürfen ihre Liegeplätze weitergeben, was die Chancen auf einen Platz für Außenstehende weiter verringert.

Ein Punktesystem für die Vergabe

Die Vergabe der Liegeplätze erfolgt über ein Punktesystem, das Lindauer Bürgern 150 Punkte zuspricht, während Bewerber aus dem Landkreis 125 Punkte und auswärtige Interessenten 100 Punkte erhalten. Diese Punkte werden jährlich mit einem Faktor von zehn multipliziert. Ein Liegeplatz wird nur vergeben, wenn der Bewerber keinen weiteren Platz am Bodensee besitzt. Für saisonale Gastliegeplätze müssen Höchstgebote zwischen 3500 und 4000 Euro abgegeben werden. Die detaillierten Angaben zum Boot sind ebenfalls erforderlich, um einen Platz zu ergattern.

Die Liegeplätze am Kleinen See sind einheitlich auf rund 3 Meter Breite ausgelegt, wobei die Boote maximal 2,60 Meter breit sein dürfen. Die jährlichen Entgelte starten bei etwa 385 Euro, zuzüglich Zuschläge für Motorboote. Im Lindauer Seehafen erfolgt die Berechnung der Plätze nach Quadratmetern, mit einem Preis von 61,60 Euro pro Quadratmeter. Tagesbesucher haben die Möglichkeit, bis 16 Uhr kostenfrei anzulegen, während die Übernachtungskosten zwischen 20 und 25 Euro liegen.

Der Bodenseesportfischerverein Lindau

Doch nicht nur die städtischen Liegeplätze sind von Interesse. Der Bodenseesportfischerverein Lindau (B) e.V. unterhält ebenfalls Bootsliegeplätze, die zur Förderung des Angelsports, der Hege und Pflege des Bodensees sowie der Jugendarbeit dienen. Diese Steganlage ist nicht nur ein Anlegesteg, sondern auch ein wichtiger Teil des Vereinslebens und der Gemeinschaft. Alle Liegeplätze sollten bis spätestens 1. Mai mit einem Boot belegt sein, andernfalls ist eine kurze Mitteilung an die zuständigen Stegwarte erforderlich.

Ab dem 15. Mai können ungenutzte und nicht gemeldete Plätze weitervergeben werden, wobei eine Rückerstattung bereits gezahlter Kosten nicht möglich ist. Ein Bootswechsel muss vorher beim Vorstand beantragt werden, und die Sicherheit auf den Stegen ist ein wichtiges Anliegen: So sollte kein Treibholz oder anderes Material auf den Stegen abgelagert werden, um Unfallgefahren zu vermeiden. Auch Planen und Bootsabdeckungen müssen sicher gelagert werden.

Insgesamt bleibt die Situation um die Bootsliegeplätze am Bodensee ein heißes Thema. Für die Bootsbesitzer ist es ein ständiges Ringen um den idealen Platz, während die Wartelisten wohl noch lange bestehen bleiben werden. Wer einen Platz ergattern möchte, sollte sich frühzeitig auf die Suche machen und die nötigen Punkte sammeln – denn am Bodensee ist Geduld eine Tugend!