Helmuth Hager: Von der Eisenbahn zur Kunst – Eine Ausstellung in Pähl würdigt sein vielfältiges Schaffen
In Pähl, einem beschaulichen Ort in Bayern, wird derzeit eine private, aber nicht öffentliche Ausstellung gezeigt, die das künstlerische Wirken von Helmuth Hager würdigt. Hier sind Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu sehen, die von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart reichen. Die Vielfalt seiner Kunst ist beeindruckend: Von frühen Zeichnungen des fantastischen Realismus über ausdrucksstarke Bronzeskulpturen, die zwischen 1995 und 2010 entstanden, bis hin zu zunehmend abstrakten Gemälden, die stark von der japanischen Kunst beeinflusst sind. Wer sich für Kunst interessiert, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen!
Helmuth Hager, geboren 1948 in Safferstetten (heute ein Teil von Bad Füssing), hatte eine Kindheit, die nicht von bildender Kunst geprägt war. Stattdessen wuchs er in einer musikalischen Familie auf. Seine Großmutter war Organistin, und im Elternhaus wurde viel gesungen. Ab der fünften Klasse nahm er Klavier- und Geigenunterricht. 1967 zog es ihn dann nach München, wo er viele Jahre als Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bundesbahn arbeitete. Während seiner Ausbildung in Planegg lernte er auch seine spätere Frau kennen, und 1971 läuteten die Hochzeitsglocken.
Vom Eisenbahner zum Künstler
Obwohl seine musikalischen Aktivitäten zunächst auf Eis lagen, ließ Hager die Malerei und das Zeichnen nie ganz hinter sich. Durch Kunstkurse und Seminare des Bundesbahn-Sozialwerks kam er in Kontakt mit der Künstlerin Heidi Stangenberg-Merck, die sein künstlerisches Potenzial erkannte und ihm den Rat gab, sich beim Schutzverband Bildender Künstler München zu bewerben. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte: 1974 wurde Hager in die Münchner Kunstszene aufgenommen.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er bis zu seinem 50. Lebensjahr weiterhin bei der Bahn, bevor er sich ganz der Kunst und der Musik widmete. 1980 erwarb er einen Bauernhof in Raisting, wo er ein Atelier einrichtete. Als Bratschist spielte er im Philharmonischen Orchester Isartal und nahm 1999 an einer Konzertreise nach Japan teil, was seine Kunst nachhaltig beeinflusste. Nach dieser Reise wandte er sich zunehmend der Abstraktion zu und gab die gegenständliche Darstellung schließlich vollständig auf.
Engagement und Ausstellungen
Helmuth Hager ist nicht nur Künstler, sondern auch ein aktives Mitglied der Kunstgemeinschaft in Oberbayern. Er engagiert sich in mehreren regionalen Kunstinstitutionen, darunter der Kunstverein Starnberg und der Regionalverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberbayern-West. Außerdem ist er Vorsitzender des Kunstbeirats im Galerieverein Landsberg am Lech. Von 2003 bis 2018 leitete er das Otto-Hellmeier-Kulturhaus in Raisting, wo er als Kurator zahlreiche Ausstellungen, Lesungen und Konzerte organisierte. Unter seiner Leitung erhielt das Kulturhaus neue Impulse und wurde zu einem kulturellen Zentrum der Region.
Die aktuelle Ausstellung „Wind of Change“ in Pähl zeigt nicht nur frühe Zeichnungen und Bronzeskulpturen, sondern auch seine neuesten, von japanischer Kunst inspirierten Arbeiten. Dabei wird auch das Werk „Eurydike wartet in der Unterwelt auf Orpheus“ präsentiert – eine Skulptur, die zum Nachdenken anregt. Hager selbst merkt dazu an: „Die Kunst ist der Mittelpunkt in meinem Leben!“ und bringt damit seine tiefe Verbundenheit zur Kunst auf den Punkt.
Sein Schaffen ist nicht nur vielfältig, sondern auch international anerkannt. Hager hatte Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und sogar in Frankreich. Seine künstlerische Ausbildung in den 1970er-Jahren umfasste Grafik bei Eugen M. Cordier, Malerei bei Heidy Stangenberg-Merck und Kopf- und Porträtzeichnen bei Ernst Kleemann. Das ist eine beeindruckende Liste, die zeigt, wie vielschichtig sein Werdegang ist.
Die Leidenschaft für Kunst und Musik zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Er sieht Kunst als etwas, das frei ist und keiner Rechtfertigung bedarf. „Ihre einzige Verpflichtung ist Wahrhaftigkeit im Ergebnis“ – ein Zitat, das seine Überzeugung treffend zusammenfasst. Und so bleibt Helmuth Hager ein faszinierender Akteur der bayerischen Kunstszene, der mit seinem Schaffen Menschen inspiriert und begeistert.
