Heute ist der 10.06.2026 und in Landsberg am Lech war am vergangenen Samstag eine ganz besondere Stadtführung angesagt. Rund 70 Interessierte – das ist ja schon eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass ursprünglich nur 35 Teilnehmer vorgesehen waren – fanden sich am historischen Rathaus am Hauptplatz ein. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus hatte eingeladen, und Stadtführer Andreas Münzer nahm die Gruppe mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit unter dem vielversprechenden Titel „Rechtsprechung im Mittelalter in Landsberg“. Man kann sich vorstellen, dass da so mancher mit leuchtenden Augen und einem hungrigen Wissensdurst unterwegs war!

Zu Beginn der Führung machte Münzer klar, wie wichtig Themen wie Gerechtigkeit, Gemeinwohl und moralische Integrität damals im städtischen Leben waren. Das ist ja auch heute nicht anders! Unter der Fensterbrüstung des Rathauses findet man drei Halbfiguren alttestamentlicher Frauen: Susanna, die fälschlicherweise des Ehebruchs beschuldigt wird, Judith, die bekanntlich Holofernes enthauptet, und eine mittlere Figur, deren Attribut ein wenig im Dunkeln bleibt. Diese historischen Zeugen erzählen Geschichten, die bis weit in die Vergangenheit zurückreichen – Geschichten, die man nicht so schnell vergisst.

Einblicke in die düstere Vergangenheit

Einer der Höhepunkte der Führung war der Abstieg in die geheimnisvollen Kellergewölbe des Historischen Rathauses. Ein Ort, der früher als Brothaus und kurfürstliches Salzamt diente – ein echtes Zentrum des Salzhandels! Im Keller selbst, da gibt’s ein altes Handelsgewölbe und eine ehemalige Arrestzelle, die die düstere Vergangenheit des Rathauses unterstreichen. Der Hauptplatz war einst Schauplatz öffentlicher Strafen, inklusive Ehrenstrafen und Prangerstrafen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Menschen damals bei solchen Ereignissen zusammenkamen, vielleicht mit einem mulmigen Gefühl im Bauch.

Auch der Hexenturm, der als Gefängnis diente, kam zur Sprache. Münzer erinnerte an den Scharfrichter „Bainli“, der für Hinrichtungen zuständig war und, wie man sich denken kann, gesellschaftlich isoliert lebte. Und dann die Leprosenkapelle – ein Gottesdienst- und Begräbnisort für an Lepra Erkrankte, die außerhalb der Stadtmauern leben mussten. Diese Kapelle aus dem späten 15./frühen 16. Jahrhundert hat eine romanische Apsis. Hinter der Kapelle findet man die Überreste eines Beinhauses aus dem 17. Jahrhundert – da hat man früher Schädel Hingerichteter aufbewahrt. Das sind schon ziemlich heftige Gedanken, die einem da durch den Kopf gehen.

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Das Interesse der Bürger

Die hohe Teilnehmerzahl zeigt deutlich das starke Interesse der Bürger an der Geschichte ihrer Stadt. Es ist ja nicht nur eine Stadtführung, es ist ein Stück Identität, das da lebendig wird. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus wertet die Resonanz als Bestätigung der Verbindung zwischen historischen Themen und lokaler Identität. In einer Zeit, in der viel über Vergangenheitsbewältigung und Identität diskutiert wird, ist es wichtig, diese Geschichten zu erzählen und lebendig zu halten. Vielleicht sind es ja genau solche Veranstaltungen, die uns helfen, unsere Wurzeln zu verstehen und die Verbindung zu unserer Geschichte nicht zu verlieren.

Die Anekdoten, die Münzer erzählt hat, werden sicher noch lange in den Köpfen der Teilnehmer nachklingen. Schließlich geht es nicht nur um das Wissen an sich, sondern auch um das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die ihre Geschichte schätzt und lebendig hält. Wer weiß, vielleicht wird die nächste Führung ja noch einmal so ein voller Erfolg!

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