Heute ist der 24.06.2026, und in Kempten (Allgäu) tut sich etwas ganz Besonderes. Vom 20. Juni bis 2. August wird die Allgäuhalle zum Schauplatz des ersten „Erinnerungslabor Allgäu“. Ein Event, das tief in die bewegte Geschichte dieser Region eintaucht und uns die Augen öffnet. Das Kulturamt der Stadt Kempten hat sich die Aufgabe auf die Fahnen geschrieben, die dunklen Kapitel der Vergangenheit nicht nur zu beleuchten, sondern sie lebendig und greifbar zu machen. Das ist ein wichtiger Schritt, denn die Allgäuhalle war einst ein Außenlager des KZ Dachau. Ein Ort, der von 1944 bis 1945 von unvorstellbarem Leid geprägt war.

Doch das Erinnerungslabor ist mehr als nur eine Ausstellung. Es ist ein lebendiger Ort, der Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Oberbürgermeister Christian Schoch hebt die Bedeutung einer verantwortungsbewussten Geschichtserzählung hervor. Und das ist auch nötig, denn das Außengelände der Allgäuhalle beherbergte das „Ostarbeiter-Lager“, wo Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten. Ein düsteres Erbe, das uns alle etwas angeht.

Ausstellungen, die zum Nachdenken anregen

Das Erinnerungslabor bietet vier spannende Ausstellungsbeiträge, die zum Nachdenken anregen. Da ist zum Beispiel die Ausstellung des Kulturamts mit dem Titel „Straßennamen auf dem Prüfstand: Nazi-Spuren – nein, danke“. Hier werden unsere Straßen durchleuchtet, und es wird untersucht, welche Namen mit der NS-Vergangenheit verbunden sind. Ein wichtiger Schritt, um unsere Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.

Der Fotograf Fabio Scaturro nimmt uns mit auf eine visuelle Reise zu ehemaligen NS-Tatorten im Allgäu. Seine Ausstellung „Produkte der Vergangenheit“ zeigt nicht nur die Orte, sondern auch deren Wandel über die Jahre. Man kann sich gut vorstellen, wie die Bilder die Betrachter zum Innehalten und Reflektieren bringen. Ein weiteres Highlight sind die Arbeiten des Künstlers Christian Hof, der mit seinen Ausstellungen „Dateneinsicht [1937]“ und „Datensammlung [1937]“ den Alltag im Nationalsozialismus künstlerisch aufarbeitet. Hier wird Geschichte greifbar und gleichzeitig erschreckend nah.

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Ein Blick in die Vergangenheit

Ein weiterer wichtiger Beitrag kommt vom P-Seminar des Allgäu-Gymnasiums mit der Ausstellung „80 Jahre Flucht, Vertreibung, Neuanfang in Kempten“. Diese stellt die Aufnahme von 10.000 Geflüchteten nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Ein Thema, das aktueller denn je ist und uns die Augen für die Herausforderungen öffnet, mit denen wir heute konfrontiert sind. Dr. Veronika Heilmannseder vom Kulturamt betont, dass das Erinnerungslabor ein Raum für partizipative Geschichtsarbeit ist. Hier wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern aktiv erlebt.

Die Allgäuhalle und ihre Geschichte sind eng mit dem KZ Dachau verbunden, das 1933 als eines der ersten Konzentrationslager errichtet wurde. Über 200.000 Menschen aus ganz Europa wurden dort inhaftiert, und mehr als 41.500 von ihnen fanden den Tod. Die Gedenkstätte Dachau, die heute fast eine Million Gäste jährlich anzieht, dient sowohl als Ort der Erinnerung als auch als Lernort. Hier wird die Vergangenheit lebendig gehalten, und es finden kontinuierlich Projekte statt, die den Austausch mit ehemaligen Häftlingen und Überlebendenverbänden ermöglichen.

In Kempten wird nun eine ähnliche Haltung eingenommen, um die Erinnerung wachzuhalten und sicherzustellen, dass die Lehren aus der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten. Es ist eine Herausforderung, die wir alle annehmen sollten, um eine verantwortungsvolle Geschichtserzählung zu fördern.

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