Heute ist der 27.06.2026 und in Garmisch-Partenkirchen wird eine Ära zu Ende gebracht. In der Friedenskirche Dachau wird Pfarrer Björn Mensing am 12. Juli verabschiedet. Ein Tag, der sowohl von Trauer als auch von Dankbarkeit geprägt sein wird. Nach 42 Jahren an der Versöhnungskirche, der einzigen evangelischen Kirche auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers, zieht Mensing in seine norddeutsche Heimat zurück. Manchmal fragt man sich, wie viele Geschichten in einem Menschen stecken können. Und Björn Mensing hat viele davon geschrieben – im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits in der 7. Klasse wünschte er sich ein Abo des Geschichtsmagazins „Damals“.

Seine Reise begann in Adendorf, wo er als junger Mann in der Jugendarbeit der Christlichen Pfadfinder aktiv wurde. Diese Leidenschaft für Geschichte und Gemeinschaft führte ihn schließlich zur Versöhnungskirche in Dachau, die 1967 auf Initiative von KZ-Dachau-Überlebenden eingeweiht wurde. Mensing übernahm 2005 die Pfarrstelle und widmete sich intensiv der Aufarbeitung der Geschichte des NS-Terrors und den Biografien der Opfer. Es ist beeindruckend, wie er es geschafft hat, über Gedenktage hinauszugehen und aktiv Angehörige der NS-Verfolgten zu finden.

Ein Leben für die Erinnerung

Die Versöhnungskirche selbst ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Ort der Begegnung – ein Raum, in dem die Erinnerungen an die Schrecken der Vergangenheit lebendig gehalten werden. Mensings Arbeit war geprägt von den bewegenden Begegnungen mit Überlebenden des NS-Regimes. Er hat Zeitzeugen wie Max Mannheimer und Ruth Klüger empfangen und ihnen eine Plattform gegeben, um ihre Geschichten zu erzählen. In den letzten Jahren hat er den Fokus auf die Nachkommen der NS-Verfolgten gelegt, was mehr als nur eine Geste ist. Es ist ein Akt der Versöhnung und des Gedenkens.

Sein Engagement beschränkt sich nicht nur auf die Kirche. Als landeskirchlicher Beauftragter für die evangelische Gedenkstättenarbeit in Bayern hat Mensing auch öffentlich Position gegen die AfD bezogen und Stolpersteine für NS-Opfer initiiert. Eine beeindruckende Bilanz, die zeigt, wie wichtig ihm die Erinnerungskultur ist. Im Ruhestand plant er, Erinnerungszeichen für NS-Opfer in Kcynia zu schaffen. Man darf gespannt sein, was er noch alles bewegen wird.

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Dachau – Ein Ort des Gedenkens

Dachau selbst hat eine furchtbare Geschichte. Es war eines der ersten Konzentrationslager, errichtet im März 1933, und diente als Modell für spätere Lager. Über 200.000 Menschen aus ganz Europa wurden dort während der zwölf Jahre der NS-Herrschaft inhaftiert, mehr als 41.500 Häftlinge starben. Am 29. April 1945 befreiten US-Truppen die Überlebenden und machten den Weg frei für eine neue Ära des Gedenkens. Die Gedenkstätte Dachau, die mittlerweile fast eine Million Besucher jährlich anzieht, ist nicht nur ein Erinnerungsort, sondern auch ein Lernort. Hier wird Geschichte lebendig, hier wird der Vergangenheit Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Gedenkstätte hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Von der kleinen Ausstellung im Bereich der Krematorien bis hin zu großen Ausstellungen und einem Servicegebäude für Besucher – die Neugestaltung seit 1997 hat die Informationen zeitgemäß aufbereitet. Mensings Beitrag zur Gedenkstättenarbeit wird sicher auch in Zukunft nachhallen, denn es sind Menschen wie er, die die Erinnerung lebendig halten.

Ein neuer Anfang

Sein designierter Nachfolger ist Michael Lorenz, bisher Pfarrer der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Germering. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind groß. Doch mit frischem Wind wird auch weiterhin an der Versöhnungskirche gearbeitet. Björn Mensing wird sein Abo des Geschichtsmagazins „Damals“ behalten und bleibt somit auch in seiner neuen Lebensphase dem Geschichtenerzählen treu. Die Erinnerungen, die er gesammelt hat, und die Geschichten, die er erzählt hat – sie werden in den Herzen der Menschen weiterleben, in Dachau und darüber hinaus.

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