Waltraut Wellenstein legt nach 36 Jahren ihr Mandat im Maisacher Gemeinderat nieder. Die inoffizielle Ortsbürgermeisterin von Gernlinden hat sich über die Jahre hinweg mehrfach für Frauen, Kinder und Familien stark gemacht. Ihre politische Karriere begann einst 1990, als sie als erste Frau in den Gemeinderat gewählt wurde. In ihren Anfängen hatte sie mit Widerständen zu kämpfen, darunter eine abwertende Bemerkung eines Kollegen. Dieser Start stellte sich jedoch keinesfalls als Hindernis für ihr Engagement heraus, vielmehr motivierte es sie, sich aktiv für die Schaffung eines Referats „Frauen und Familie“ einzusetzen.

Das Programm, das sie ins Leben rief, umfasste viele Initiativen. Dazu zählt die Gründung des Gernlindner Frauentreffs sowie die Organisation von Deutschkursen für Zuwanderinnen. Auch in den Bereichen Selbstverteidigung und Kinderbetreuung setzte sie Akzente, indem sie Babysitterkurse und einen Tageseltern-Service anbot. Zudem führte sie Bürgerinnen-Versammlungen ein, die eine Kinderbetreuung anboten, was die Beteiligung vieler Frauen erleichterte. Ihr Anliegen war stets klar: "Das ist Gesellschaftspolitik und keine Frauenpolitik", betonte sie und stellte den Inhalt über Parteizugehörigkeiten.

Ein bleibendes Erbe

Wellenstins Engagement für die Gemeinde zeigt sich ebenfalls in der Benennung neuer Straßen nach Frauen und in ihrer Unterstützung für das Bürgerzentrum und die Nahversorgung in Gernlinden. „Ich möchte das typische Gernlinden erhalten“, erklärt sie, während sie sich gleichzeitig für den Baumschutz und gegen fragwürdige Bebauungspläne starkmachte.

An ihrem persönlichen Lebensweg geprägt, arbeitete Wellenstein zudem als Studienrätin im Sonderschuldienst. Seit 2006 initiierte sie das Maisacher Ferienprogramm, das Kinder aus benachteiligten Verhältnissen unterstützt. Während ihrer Amtszeit fand sie stets einen starken Rückhalt durch Geschäftsleiter Peter Eberlein, was ihr zusätzliches Vertrauen in die politischen Belange der Gemeinde gab.

Auf zu neuen Ufern

Jetzt, wo sie ihren Rücktritt bekanntgab, möchte Waltraut Wellenstein sich mehr um ihre Gesundheit kümmern und plant, Europa zu bereisen. Ein beeindruckender Abschied nach langer, erfüllter Dienstzeit, in der sie nicht nur tolle lokale Veränderungen anstoßen konnte, sondern auch ein Vorbild für viele Frauen war, die sich in der Kommunalpolitik engagieren möchten.

Der LandFrauenverband setzt sich in diesem Zusammenhang aktiv für die Sichtbarkeit von Frauen in der Kommunalpolitik ein. Ein interessantes Projekt läuft, das Biografien und Erfahrungsberichte von Kommunalpolitikerinnen sammelt. Trotz der Möglichkeit zur politischen Mitgestaltung sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert; der Frauenanteil in kommunalen Parlamenten beträgt nach den Kommunalwahlen 2019 nur 26,8%. Die Initiative hat sich zur Aufgabe gemacht, die Strukturen zu untersuchen, die Frauen in der Kommunalpolitik behindern, und welche Wege sie gefunden haben, um ihre Belange dennoch einzubringen.

Der Aufruf zur Beteiligung steht allen Interessierten offen. Schließlich betrifft Kommunalpolitik alle, und das Engagement von Frauen wie Waltraut Wellenstein ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie viel bewegt werden kann. Wer mehr über die Thematik erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Webseite des LandFrauenverbands unter landfrauenverband-wh.de.

Eine Ära ging zu Ende, doch das Engagement der Frauen in der Politik bleibt notwendiger denn je!