Heute ist der 2. Mai 2026 und in Fürstenfeldbruck weht ein Hauch von Wehmut durch die Straßen. Waltraut Wellenstein, die seit 36 Jahren im Maisacher Gemeinderat tätig war, hat nun beschlossen, ihre politische Laufbahn zu beenden. Die inoffizielle Ortsbürgermeisterin von Gernlinden hinterlässt eine bedeutende Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.
Als erste Frau, die 1990 in den Gemeinderat gewählt wurde, hat sie nicht nur Pionierarbeit geleistet, sondern auch vielen Frauen in der Region eine Stimme gegeben. Es ist kaum zu glauben, dass sie anfangs mit Widerstand zu kämpfen hatte – sogar eine abwertende Bemerkung eines Kollegen musste sie über sich ergehen lassen. Doch anstatt sich entmutigen zu lassen, hat sie sich tatkräftig für die Schaffung des Referats „Frauen und Familie“ eingesetzt und zahlreiche Projekte ins Leben gerufen.
Engagement für die Gemeinschaft
Der Gernlindner Frauentreff, Deutschkurse für Zuwanderinnen, Babysitter- und Selbstverteidigungskurse, der Tageseltern-Service – die Liste ihrer Initiativen ist lang und beeindruckend. Wellenstein hat nicht nur die Bedürfnisse von Frauen und Familien im Blick gehabt; sie hat stets betont, dass ihre Arbeit gesellschaftspolitischer Natur ist. Ein wichtiges Anliegen war ihr auch die Benennung neuer Straßen nach einflussreichen Frauen, was die Wertschätzung für weibliche Vorbilder in der Gemeinde fördert.
Unterstützt wurde sie in ihrer Amtszeit von Peter Eberlein, dem Geschäftsführer, der ihren Fokus auf Inhalte und nicht auf Parteizugehörigkeit schätzte. Gemeinsam haben sie innovative Ideen verwirklicht, wie das Maisacher Ferienprogramm und den Wunschbaum für benachteiligte Kinder, der stets ein Lichtblick in der kalten Jahreszeit war. Wellenstein hat sich auch für die Ortsentwicklung und den Baumschutz starkgemacht – eine Baumschutzverordnung war eines ihrer Herzensprojekte. Der Erhalt des typischen Gernlinden lag ihr am Herzen, und sie pflegt noch immer ihr Elternhaus aus dem Jahr 1921.
Ein neuer Lebensabschnitt
Mit ihrem Rückzug aus dem Gemeinderat möchte Waltraut Wellenstein nun mehr Zeit für sich selbst und ihre Gesundheit haben. Das Reisen durch Europa steht auf ihrer Liste, und man kann sich vorstellen, dass sie beim Erkunden neuer Länder und Kulturen immer wieder an ihre Zeit in der Politik zurückdenken wird. Sie hat viel bewegt, und das Bürgerzentrum sowie die Nahversorgung in Gernlinden sind ihr ein besonderes Anliegen geblieben.
Es ist nicht nur ein Abschied von einer Ära, sondern auch der Beginn eines neuen Kapitels für Wellenstein. Ihre Spuren werden noch lange in der Gemeinde sichtbar sein, und die Menschen werden sich an ihre unermüdliche Arbeit und ihr Engagement für die Gemeinschaft erinnern. Gernlinden hat durch sie ein Stück weit an Identität gewonnen, und es bleibt zu hoffen, dass ihr Erbe weitergetragen wird.