In der malerischen Region Freyung-Grafenau, wo die Hügel sanft in die Ferne schweifen und die Luft nach frischem Gras und alten Geschichten duftet, fand ein ganz besonderes musikalisches Ereignis statt. Die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Landkreis Freyung-Grafenau und der Kulturkreis Freyung-Grafenau luden zum Auftaktkonzert der Reihe „Musica Sacra“ ein – ein Zusammenspiel von Musik und Geschichte, das nicht nur die Ohren, sondern auch das Herz berührte.

In der Stadtpfarrkirche Freyung wurde ein Kurzprogramm dargeboten, das die Zuhörer gleich in seinen Bann zog. Doch das Hauptkonzert hielt noch viel mehr bereit. In der spätgotischen Kirche St. Brigid in Preying, einem Ort, wo die schlichten Wände und hohen Decken eine bemerkenswerte Akustik boten, erklangen mittelalterliche Werke, die von einem Ensemble unter der Leitung der talentierten Karolina Wolf, die sowohl Gesang als auch Flöte spielte, dargeboten wurden. Die Besetzung war beeindruckend: Von Violine bis Kontrabass, von Harfe bis Percussion – jeder Musiker trug auf seine Weise zur magischen Atmosphäre bei.

Ein Streifzug durch die Geschichten der Vergangenheit

Das Programm war so reichhaltig wie die Geschichte selbst – geistliche Lieder aus bayerischen Quellen, bearbeitet von Karolina und Margarita Wolf, nahmen die Zuhörer mit auf eine Zeitreise. Man hörte Stücke aus dem Hohenfurter Liederbuch, dem Moosburger Graduale und dem Antiphonar, die allesamt um 1450 und 1360 entstanden sind. Die Moderation war klug gewählt und informierte die Anwesenden über die historischen Hintergründe und kuriose Aspekte des mittelalterlichen Musiklebens. Wer hätte gedacht, dass es einmal „Eselmessen“ gab oder die Tradition des „Kindelwiegens“ so lebendig war?

Ergänzt wurde das Programm durch weltliche Beiträge von Neidhart von Reuenthal und Walther von der Vogelweide. Neidhart thematisierte das Leben im Dorf – ein Blick in die Alltagswelt vergangener Zeiten – während Walther mit seinen persönlichen Themen die Gefühlswelt der Menschen ansprach. Diese alten Texte zeigten eindrucksvoll, dass Musik und Poesie nicht nur zur Unterhaltung dienten, sondern auch ein tiefes Verständnis für die menschliche Natur in all ihren Facetten vermittelten.

Ein Blick in die Zukunft der Musik

Das Konzert war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie alte Musik neu erfahrbar gemacht werden kann. In einer Zeit, in der vieles digital und schnelllebig ist, war es erfrischend zu sehen, wie die Musiker mit Leidenschaft und Hingabe zu den Wurzeln der Musik zurückkehrten. Es bleibt die Frage, wie viele solcher Konzerte noch in Freyung-Grafenau folgen werden. Am 20. und 21. Juni wird es bereits weitere Aufführungen geben, die unter dem Titel „Stomius, Forster und Friends – Komponisten aus Bayern und Böhmen aus der Zeit der Renaissance und des Frühbarock“ stehen. Da wird sicherlich wieder eine große Zahl an Musikliebhabern zusammenkommen, um die Klänge vergangener Epochen zu genießen.

So bleibt die Hoffnung, dass die Verbindung von Musik und Geschichte nicht nur in den alten Mauern dieser Kirchen, sondern auch in den Herzen der Menschen weiterlebt. Schließlich sind es die Geschichten, die uns verbinden – und was könnte besser geeignet sein, diese Geschichten zum Leben zu erwecken, als die Musik, die seit Jahrhunderten unsere Seelen berührt?