Die erste Mahd auf Wiesen und Feldern hat begonnen, und für die kleinen Rehkitze und andere Wildtiere bedeutet das eine gefährliche Zeit. Diese zarten Geschöpfe verharren bei Gefahr regungslos im Gras und sind den Mähwerken schutzlos ausgeliefert. Doch in Neufahrn bei Freising gibt es Hoffnung: Der Tierschutzverein „Wir retten Rehkitze“ hat sich dem Schutz dieser Tiere verschrieben. Unter der Leitung von Martina Zander, die den Verein im Dezember 2022 gründete, sind rund 200 Helfer und 13 Drohnen im Einsatz, um die kleinen Rehe zu retten.
Die Ehrenamtlichen sind in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern rund um Neufahrn aktiv und arbeiten während der Mahdsaison, die in der Regel drei Monate nach der Setzzeit dauert. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist die frühzeitige Ankündigung der Mähtermine durch die Landwirte – idealerweise ein bis zwei Tage im Voraus. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Felder vollständig mit Drohnen abflogen werden, um jedes Kitz zu schützen. Die Kitzrettung ist für die Landwirte kostenlos, doch ihre Kooperation ist unerlässlich.
Technologie im Einsatz
Um die Jungtiere zu lokalisieren, setzen die Neufahrner Tierschützer Wärmebild-Drohnen ein. Diese modernen Technologien ermöglichen es den Helfern, die Kitze schnell und effizient zu finden. Nach der Mahd werden die Rehe an geschützten Orten freigelassen, wo die Mütter sie durch Lockrufe wiederfinden können. Es ist ein filigranes Zusammenspiel von Mensch und Technik, das Leben rettet.
Im vergangenen Jahr wurde die Arbeit des Vereins mit dem Deutschen Tierschutzpreis in der Kategorie Publikumspreis gewürdigt. Öffentlichkeitsarbeit spielt eine zentrale Rolle für die „Rehkitzretter“: Infostände, Vorträge und sogar ein Buch zur Rehkitzrettung wurden organisiert, um das Bewusstsein für den Tierschutz zu stärken und mehr Menschen zur Mithilfe zu bewegen.
Ein wachsendes Netzwerk
Die Zahl der Jäger, die eigene Drohnen besitzen, sowie die Anzahl der Vereine mit entsprechender Technik ist in den letzten Jahren gestiegen. Dies zeigt, dass das Thema Rehkitzrettung immer mehr Menschen am Herzen liegt. Jährlich sterben in Deutschland etwa 100.000 Kitze durch Mähwerke, was die Notwendigkeit derartiger Initiativen umso dringlicher macht. Bei der Gründung des Vereins wurden rund 80 Prozent der Mähflächen nicht abgesucht – eine alarmierende Statistik, die glücklicherweise dank des Engagements der Ehrenamtlichen stetig abnimmt.
In diesen Tagen, wo die Natur in vollem Gange ist, sind die Neufahrner Tierschützer früh am Morgen oder am Abend unterwegs, um die Tiere zu finden und zu schützen. Ihr unermüdlicher Einsatz gibt der Natur und den Wildtieren eine Stimme und zeigt, wie wichtig es ist, sich für den Tierschutz starkzumachen.