In Erding, wo Tradition und Handwerk tief verwurzelt sind, sticht eine Persönlichkeit besonders hervor: Madita Irl, eine Maurermeisterin, die sich in einer männerdominierten Branche durchgesetzt hat. Mit ihrer Leidenschaft und ihrem unermüdlichen Einsatz hat sie nicht nur ihr eigenes Handwerk gemeistert, sondern auch eine Vorreiterrolle für Frauen im Baugewerbe übernommen.

Madita Irl begann ihre berufliche Laufbahn mit einer kaufmännischen Ausbildung im elterlichen Baugeschäft. Doch die wahre Faszination für das Handwerk wurde bei einem Kirchenbrand in Wörth entfacht, als sie die Arbeit der Kirchenmaler beobachtete. Diese Inspiration führte sie schließlich zum Maurerhandwerk, wo sie mit voller Hingabe und dem Willen, 110 Prozent zu geben, ihre Meisterprüfung ablegte. Trotz aller Herausforderungen, wie fehlenden Umkleiden und sanitären Anlagen für Frauen auf Baustellen, ließ sie sich nicht von ihrem Weg abbringen.

Ein starkes Zeichen für Gleichstellung

Madita Irl steht exemplarisch für die Herausforderungen, denen Frauen im Handwerk gegenüberstehen. In der Bauwirtschaft sind Frauen stark unterrepräsentiert: Nur 1,5% der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe sind weiblich, während der Frauenanteil in Ausbauberufen bei 3,5% liegt. Diese Zahlen spiegeln ein tief verwurzeltes gesellschaftliches und kulturelles Vorurteil wider, das Frauen im Handwerk oft das Leben schwer macht.

Madita hat es geschafft, eigene Baustellen zu leiten und setzt sich seit zwei Jahren als Vertreterin der Arbeitnehmer im Prüfungsausschuss für die Gesellenprüfung ein. Sie möchte junge Mädchen ermutigen, das Handwerk auszuprobieren und Praktika zu machen. „Es ist wichtig, dass wir Gleichbehandlung und bessere Rahmenbedingungen für Frauen im Handwerk schaffen“, betont sie. Ihre kaufmännische Ausbildung kommt ihr dabei zugute, denn sie kennt die betrieblichen Abläufe und arbeitet eng mit ihrem Vater zusammen.

Ein Blick in die Geschichte

Die geringe Repräsentanz von Frauen im Bauhandwerk hat historische Wurzeln. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren Frauen meist als Bauhelferinnen tätig, doch rechtliche Vorschriften schlossen sie ab dem 20. Jahrhundert zunehmend vom Handwerk aus. So wurde 1912 Frauen der Transport von Materialien auf Baustellen untersagt, und ein Berufsverbot für Frauen im Bauhandwerk wurde 1955 in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Erst 1994 wurde dieses Verbot aufgehoben, doch der Frauenanteil hat sich seit 2000 kaum verändert.

Die Bau- und Handwerksbranche steht vor der Herausforderung, sich dem Klimawandel zu stellen und gleichzeitig den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Dabei sind die Kompetenzen und Perspektiven von Frauen von entscheidender Bedeutung. Zivilgesellschaftliche Initiativen wie „Bauhandwerkerinnen“ und die „Initiative Klischeefrei“ setzen sich aktiv für eine geschlechtergerechtere Branche ein. In Köln bietet das Handwerkerinnenhaus Mädchen und Frauen die Möglichkeit, praktische Werkstattprojekte zu erleben.

Madita Irl ist sich sicher, dass die nächste Generation von Frauen im Handwerk mehr Akzeptanz und Normalität erfahren wird. „Wir müssen weiterhin an der Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk arbeiten“, sagt sie entschlossen. Ihr Engagement und ihr unermüdlicher Einsatz sind ein starkes Zeichen für die Gleichstellung und ein Aufruf, die Bau- und Handwerksbranche gemeinsam zu verändern.