Der Traum von modernisierten Sportstätten in Bayern scheint für viele Gemeinden in der Region Ebersberg und Erding aktuell in weite Ferne gerückt zu sein. Die von der Bundesregierung initiierte „Sportmilliarde“ zur Sanierung kommunaler Sportstätten hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert. Von den insgesamt 333 Millionen Euro an Fördermitteln, die zur Verfügung stehen, schafften es im Wahlkreis 212 Erding-Ebersberg lediglich neun Projekte auf die Prüfliste des Bauministeriums. Ein trister Anblick für die Verantwortlichen vor Ort.
Mit nur einem einzigen Projekt, der Sanierung der Rudolf-Obermayr-Halle in Moosach, das mit 603.747 Euro gefördert wird, können die Gemeinden kaum zufrieden sein. Die Enttäuschung sitzt tief, insbesondere bei den Stellen, die Anträge eingereicht haben, aber leer ausgegangen sind. So wurden beispielsweise das Grafinger Eisstadion und zahlreiche andere Projekte aus Kirchseeon, Vaterstetten und Forstinning aufgrund unzureichender Antragsunterlagen nicht einmal geprüft. Ein Klacks für die ambitionierten Pläne, die im Vorfeld geschmiedet wurden.
Ein Blick auf die abgelehnten Projekte
Die Liste der abgelehnten Projekte ist lang und frustrierend. In Forstinning wurden 1,4 Millionen Euro beantragt, in Vaterstetten sogar 1,6 Millionen Euro für die Sanierung eines Kunstrasenplatzes. Und auch die Turnhallen des Gymnasiums in Dorfen, die dringend auf eine Sanierung warteten, konnten mit einem umfassenden Antrag von 14,5 Millionen Euro nicht punkten. Bürgermeister Jan Paeplow aus Kirchseeon brachte es auf den Punkt, als er den Prozess als „bürokratischen Wahnsinn“ bezeichnete. Ein treffender Kommentar, der den Frust der Kommunalpolitiker widerspiegelt.
Andreas Lenz, der CSU-Bundestagsabgeordnete, hebt hervor, dass auch andere vielversprechende Projekte möglicherweise in der Versenkung verschwinden könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Gemeinden leer ausgehen, ist hoch, denn die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Und wie wir alle wissen, ist die Bürokratie nicht gerade dafür bekannt, schnell und effizient zu arbeiten.
Die Zahlen hinter der Sportmilliarde
Ein Blick auf die Gesamtdaten der Sportmilliarde zeigt, dass von den bewilligten 329.099.356,48 Euro insgesamt 314 Projekte berücksichtigt wurden. Die durchschnittliche Förderung pro Maßnahme liegt bei über 1 Million Euro, was auf die große Nachfrage und den hohen Wettbewerb um die Mittel hinweist. Sechs kleinere Projekte erhielten die Mindestfördersumme von 250.000 Euro, während zwei große Projekte mit dem Höchstsatz von 8 Millionen Euro belohnt wurden. Ein himmelweiter Unterschied, der die Schere zwischen großen und kleinen Gemeinden weiter öffnet.
Die Differenz zwischen den angekündigten 333 Millionen Euro und den bewilligten Mitteln ist nicht nur ein administratives Mysterium, sondern verdeutlicht auch, dass ein Teil der Gelder für Verwaltungskosten aufgebracht wird. Dies ist besonders frustrierend, wenn man bedenkt, dass viele Gemeinden dringend auf diese Förderungen angewiesen sind, um ihre Sportstätten zu modernisieren und den Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden.
Ein Lichtblick am Horizont?
Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer! Bis zum 19. Juni können Bewerbungen für den zweiten Fördertopf in Höhe von 250 Millionen Euro für gemeindliche Schwimmbäder eingereicht werden. Kirchseeon plant bereits, einen Antrag für das örtliche Hallenbad zu stellen. Vielleicht gelingt es ja, der Gemeinde auf diesem Wege die dringend benötigten Mittel zu sichern. Und wer weiß, vielleicht fließt im kommenden Jahr sogar eine dritte Tranche der Sportmilliarde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.