Heute ist der 24.04.2026 und die Softwarefirma „Skills Development Solutions“ aus Baldham, die die Schulungssoftware „SDP“ für das Landratsamt Ebersberg bereitgestellt hat, wird liquidiert. Diese Entscheidung, die zu Jahresbeginn 2026 getroffen wurde, kommt nicht ganz unerwartet. Denn die Schulungssoftware, die den Landkreis Ebersberg satte 1,4 Millionen Euro gekostet hat, fand unter den Mitarbeitern wenig Anklang und wurde kaum genutzt. Das Landratsamt hat mittlerweile bestätigt, dass die Verträge mit dem Anbieter am 15. Juni 2026 enden werden und bis dahin der Support für die Software sichergestellt ist.

Der Landrat Robert Niedergesäß (CSU) sah sich aufgrund fragwürdiger Alleingänge und der Verteilung der Kosten auf mehrere Haushaltspositionen in der Kritik. Eine nachträgliche Absolution durch eine Mehrheit im Kreistag konnte eine persönliche Haftung für Niedergesäß abwenden. Jedoch bleibt die Frage, wie es zu diesen Ausgaben kommen konnte, ohne dass diese offiziell vom Kreistag genehmigt waren. Insbesondere die Grünen im Kreistag hatten auf diese Problematik hingewiesen, denn die jährlichen Zahlungen in Höhe von 200.000 Euro, die über sieben Jahre hinweg getätigt wurden, überschritten die zulässige Obergrenze von 75.000 Euro.

Fehlende Kontrolle und Kritik

Die Kreisräte erfuhren erst im Frühjahr 2023 von diesen Zahlungen, die seit 2018 liefen. In einem offenen Eingeständnis räumte Landrat Niedergesäß ein, dass die Geschäftsordnung nicht eingehalten wurde. Das Landratsamt berief sich auf eine gängige Praxis bei der Haushaltsplanung, die jedoch ohne vorherige Besprechung in den zuständigen Gremien stattfand. Die Behörde erklärte, dass Stress und Personalmangel zu diesen Fehlern führten, die erst entdeckt wurden, als eine andere Buchung überprüft wurde. Daraufhin wurde die Finanz-Dienstanweisung angepasst.

Ein weiterer Punkt der Kritik ist die Tatsache, dass die Software auf Wunsch der Mitarbeiter angeschafft wurde, um diesen den Zugang zur persönlichen Weiterentwicklung zu ermöglichen. Doch eine Mitarbeiterbefragung ergab, dass die Software nicht gut genutzt wurde. Der Landrat führte aus, dass die Krisenjahre, namentlich die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg, die Nutzung der Software möglicherweise beeinträchtigt haben.

Nachhaltige Veränderungen?

In der Folge der Mitarbeiterbefragung wurden die Verträge mit dem Anbieter angepasst, und viele Lizenzen wurden gekündigt. Diese Entwicklungen haben den Unmut unter den Kreisräten verstärkt, und es sind mögliche Nachspiele für das Landratsamt angedeutet worden. Die Grünen und die Freien Wähler fordern weitere Diskussionen über die Angelegenheit, da die Mittel 2023 plötzlich gekürzt wurden und die Sinnhaftigkeit der Investitionen in Frage steht.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Landkreis Ebersberg aus diesem Millionen-Desaster offenbar Lehren ziehen möchte. Strengere Kontrollmechanismen im Finanz- und Vergabewesen wurden bereits eingeführt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und ob die Verantwortlichen in Zukunft besser auf die Stimmen der Kreisräte und Mitarbeiter hören werden.

Für weiterführende Informationen zu diesem Thema können Sie die Artikel auf Merkur und Süddeutsche lesen.