Heute ist der 8.05.2026 und die Situation für die evangelische Jugend in Ebersberg ist alles andere als rosig. Das Sommerlager (SoLa) der evangelischen Jugend steht auf der Kippe, und der Grund dafür ist ernüchternd: Es gibt einfach zu wenige Anmeldungen. Die Auswirkungen der Pandemie sind nach wie vor deutlich spürbar, und die Jugendarbeit hat stark abgenommen. Der Bauwagen an der Heilig-Geist-Kirche, einst ein lebendiger Ort für viele Jugendliche, wirkt oft verwaist. Wo früher fröhliches Lachen und Gemeinschaft herrschte, ist es nun still geworden.
Pfarrerin Renate Zorn-Traving ist besorgt. Sie stellt fest, dass die Basis für die Jugendarbeit schmaler geworden ist und dass der Rückgang an Jugendlichen nicht zu übersehen ist. Robert Dembinski von der Katholischen Jugendstelle unterstützt diese Beobachtungen. Besonders die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen leidet unter den Nachwirkungen der Corona-Restriktionen. Früher war das SoLa ein Höhepunkt im Jahr, an dem bis zu 40 Jugendliche teilnahmen. Im letzten Jahr fiel es aus, weil einfach nicht genug Anmeldungen zusammenkamen. Das ist schon traurig.
Gemeinschaft und Verantwortung
Was ist da passiert? In den vergangenen Jahren haben Jugendgruppen in Ebersberg nicht nur Gemeinschaft geboten, sondern auch ein Gefühl von Verantwortung vermittelt. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Isolation haben viele Jugendliche diese wichtigen Erfahrungen verloren. Der allgemeine Mitgliederschwund in beiden Kirchen ist ein weiteres Signal. In katholischen Kirchen in Bayern hat sich die Zahl der Gottesdienstbesucher in den letzten 20 Jahren halbiert. Das sind keine guten Nachrichten.
Die Lebenswelten der Jugendlichen haben sich verändert. Individualismus scheint das neue Motto zu sein. Gemeinschaftserfahrungen rücken in den Hintergrund, und das Digitale hat einen festen Platz eingenommen. Dembinski bemerkt auch eine hohe Leistungsorientierung und Unsicherheit unter den Jugendlichen. Sie stehen unter Druck, sich zu beweisen und zu zeigen, was sie können. Das kann ganz schön belastend sein.
Neue Wege gehen
Trotz aller Herausforderungen sieht Dembinski auch Chancen für neue Formate. Er fordert die Jugendlichen auf, aktiv zu werden und ihre Ideen einzubringen. Vielleicht braucht es frische Ansätze, um die verlorene Begeisterung zurückzugewinnen. Erinnerungen an das SoLa sind oft geprägt von Gemeinschaftserfahrungen und dem Erlernen von Lebenslektionen, die im Alltag nicht immer so leicht fallen. Das könnte der Schlüssel sein, um neue Wege zu finden.
In der heutigen Zeit, in der alles so schnelllebig und digital ist, kann die Rückkehr zu den Wurzeln der Jugendarbeit – dem Miteinander, dem Austausch und der Unterstützung – ein wichtiger Schritt sein. Die Kirche hat die Möglichkeit, ein Ort zu sein, an dem Jugendliche sich wieder begegnen und gemeinsam wachsen können. Vielleicht wird das SoLa bald wieder ein voller Erfolg, und die Stimmen der Jugendlichen werden wieder durch den Bauwagen an der Heilig-Geist-Kirche hallen.