Erlebnisreiche Apfelernte: Drittklässler entdecken die Vielfalt der Streuobstwiesen in Nördlingen
Am 16. Oktober 2026 war es wieder soweit: Eine Gruppe von 19 aufgeregten Drittklässlern der Grundschule Mitte in Nördlingen machte sich auf den Weg zu einer städtischen Streuobstwiese am alten Nähermemminger Weg. Mit ihrer Lehrerin, Frau Meyr, im Schlepptau, betraten sie diesen bunten Naturraum, in dem hochstämmige Obstbäume in fröhlichen Abständen standen. Hier sollten sie nicht nur lernen, woher Äpfel kommen, sondern auch gleich selbst Hand anlegen und ernten – eine spannende Erfahrung für die acht- bis neunjährigen Kinder!
Die Aktion wurde von Holger Biller, dem Klimaschutzmanager der Stadt Nördlingen, begleitet. Nach einer kurzen Einweisung teilten sich die Kinder in Gruppen auf. Einige von ihnen kletterten bereits in die Bäume, um die köstlichen Früchte zu erreichen, während andere die reifen Äpfel vorsichtig in Eimern sammelten. Das Wetter war anfänglich trübe und neblig, aber die Sonne ließ sich bald blicken und sorgte für eine angenehme, herbstliche Stimmung. Und dann kam der große Moment: Die Kinder probierten zwei verschiedene Apfelsorten und wählten ihren persönlichen Favoriten. Dabei stellte sich heraus, dass die Streuobstäpfel zwar nicht immer so makellos wie die aus dem Supermarkt sind, aber dafür umso besser schmecken!
Die Vielfalt der Streuobstwiesen
Streuobstwiesen sind mehr als nur ein paar Bäume in einer Reihe; sie sind ein wertvoller Lebensraum mit einer hohen Artenvielfalt. Hochstämmige Obstbäume wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Quitten und sogar Walnüsse stehen dabei in großzügigen Abständen und bieten nicht nur Früchte, sondern auch Lebensraum für viele Tierarten. Die Bäume können alt werden und haben genug Platz für große Kronen. Das Besondere daran: Es werden keine Dünger oder Pestizide eingesetzt! Stattdessen können sich auf dem Boden Gräser und andere Pflanzen entwickeln, die den Lebensraum nochmals bereichern.
Diese Form des Obstbaus hat eine lange Tradition in Europa und wird immer noch in vielen Regionen, insbesondere in Süddeutschland, gepflegt. Die Streuobstwiesen ermöglichen eine doppelte Nutzung: Die Bäume produzieren Obst, während der Boden als Weide oder Wiese genutzt wird. Ein echtes Win-win für Natur und Mensch! Leider sind diese wertvollen Flächen in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Die Intensivierung der Landwirtschaft und die Urbanisierung haben dazu geführt, dass viele Streuobstwiesen in Plantagen umgewandelt wurden. Umso wichtiger ist es, dass Projekte wie das in Nördlingen stattfinden.
Bildung für die Zukunft
Die Aktion an der Streuobstwiese war nicht nur eine Ernteaktion, sondern auch eine wichtige Bildungsmaßnahme. Die Ortsgruppe Nördlingen des BUND Naturschutz unterstützte die Initiative, um den Kindern die Bedeutung von Streuobstwiesen als Naturraum näherzubringen. So lernten die Kinder nicht nur, wo Obst herkommt, sondern auch, wie wichtig diese Lebensräume für unsere Umwelt sind. Vor dem Rückweg zur Schule wurden die frisch geernteten Äpfel schließlich unter den Kindern aufgeteilt, und jedes Kind konnte stolz mit einer Tüte voll köstlicher Früchte nach Hause gehen.
Die Ernte war ein voller Erfolg, aber sie ist auch ein Zeichen dafür, dass wir alle ein wenig mehr für die Natur tun können. Der Streuobstanbau wurde 2021 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Seit März 2022 sind diese Flächen nach dem Bundesnaturschutzgesetz als geschütztes Biotop erfasst. Das zeigt, wie wichtig es ist, diese traditionellen Kulturlandschaften zu erhalten und den nachfolgenden Generationen näherzubringen.
