Am vergangenen Samstag war es wieder so weit: Die Gläubigen aus Reisbach machten sich auf den Weg zur 601. Bogenbergwallfahrt. Ein Ereignis, das tief in der Geschichte verwurzelt ist – erstmals 1425 erwähnt, hat sich dieser Brauch über 600 Jahre gehalten. Über die Jahrhunderte hinweg, selbst durch die Wirren von Reformation und 30-jährigem Krieg hindurch, blieb die Wallfahrt ein fester Bestandteil des Lebens in dieser Region.
In diesem Jahr versammelten sich rund 100 Pilger, um die etwa 50 Kilometer lange Strecke zu bewältigen, die über Mamming und Pilsting führt. Manche von ihnen hatten sich entschieden, nur ein Teilstück zu gehen und starteten am Samstagmorgen von Reisbach nach Griesbach, um dann mit dem Bus weiterzufahren. Die Vorfreude und die Gemeinschaft waren spürbar, als Pfarrer Martin Ramoser am Freitagabend eine Gruppe von elf Pilgern vor der Salvatorkirche segnete. Es war ein Moment, der die Herzen berührte.
Tradition trifft Gemeinschaft
Die Wallfahrt zur „Muttergottes in der Hoffnung“ zieht die Menschen magisch an. Hier können sie ihre Sorgen um Gesundheit und Familie ablegen, einen Moment innehalten und sich besinnen. Die Pilger versammelten sich vor dem Gnadenbild, um gemeinsam zu beten. Pater Adam begrüßte die Teilnehmer herzlich und schuf eine Atmosphäre, die von Dankbarkeit und Hoffnung geprägt war. Diese Wallfahrt könnte auf ein Pestgelübde oder ein Versprechen nach Unwetterschäden zurückgehen – zwei Theorien, die bis heute lebendig sind.
Die Wallfahrt hat sich im Laufe der Jahre verändert. Bis 1964 fand sie am Fest Kreuzauffindung statt und wurde bis 1901 als „Kreuzgang zum Bogenberg“ bezeichnet. Heute pilgern die Reisbacher am letzten Freitag und Samstag im April. Dabei sind die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe startet am Freitagabend, die zweite am Samstagmorgen und die dritte macht sich mit Bus oder Auto auf den Weg. So kommt jeder auf seine Kosten, ganz gleich, wie fit er ist.
Ein Blick in die Geschichte
Die ältesten Fußwallfahrten zur Gnadenmutter von Bogenberg stammen aus Grafentraubach und Reisbach. Eine Flurkarte aus dem Jahr 1826 zeigt sogar eine mögliche Pestfriedhofs-Stätte in Reisbach. Die Wallfahrt fiel zwar zwischen 1942 und 1947 aus, doch die Tradition hat nie ganz aufgehört. Besonders bemerkenswert war 1954 – da nahmen 243 Teilnehmer an der Wallfahrt teil. Ein Zeichen, dass die Verbundenheit zur Heimat und zum Glauben stark bleibt.
Nach der Pilgermesse, die Pfarrer Martin Ramoser zum Sonntag des Guten Hirten zelebrierte, fand eine Andacht statt, bevor die Rückfahrt angetreten wurde. Hermann Birx, der seit über 30 Jahren die Standarte mit dem Reisbach-Wappen und dem Bildnis der lieben Frau vom Bogenberg trägt, ist ein fester Bestandteil dieser Tradition. Wallfahrtsleiter Rudi Kellner bedankte sich bei allen Unterstützern und Organisatoren – ein schöner Moment, der die Gemeinschaft noch mehr zusammenschweißt.
Die Wallfahrtskosten werden mittlerweile aus dem Gemeindehaushalt bestritten, nachdem früher Haussammlungen dafür notwendig waren. Es zeigt, wie sehr die Gemeinde hinter diesem Brauch steht, der über Generationen hinweg die Herzen der Menschen berührt hat. Es ist mehr als nur ein Fußweg – es ist eine Reise zu sich selbst, eine Pilgerfahrt in die eigene Seele, und das spürt man.