Am Samstag, dem 9. Mai 2026, wird in Überlingen ein bedeutendes Gedenken an die Opfer des Faschismus stattfinden. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen (VVN-BdA) lädt herzlich zu dieser Gedenkveranstaltung ein. Treffpunkt ist an der Obere Bahnhofstraße 30, direkt neben dem „Wirtshaus zum Felsen“. Hier wird um 14 Uhr mit einer Führung durch den Goldbacher Stollen begonnen – ein Ort, der viele Geschichten erzählt und uns an die dunklen Kapitel der Geschichte erinnert.

Friedrichshafen, ein Ort, der während des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle als Rüstungszentrum spielte, wird erneut in den Fokus gerückt. Wichtige Betriebe wie die Maybach-Motoren, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH, Dornier und die Zahnradfabrik (ZF) prägten das Stadtbild und die Geschichte. Doch ab Juni 1943 wurde Friedrichshafen auch Ziel alliierter Luftangriffe, die das Grauen des Krieges in die Stadt trugen. Im September 1944 wurde unter dem Decknamen „Magnesit“ ein Außenlager des KZ Dachau in Überlingen errichtet. Hier lebten und litten Häftlinge unter unvorstellbaren Bedingungen. Das Lager bestand aus drei Wohnbaracken, die für durchschnittlich 700 Menschen ausgelegt waren – gewaltige Zahlen, die selbst heute noch Gänsehaut verursachen.

Ein Ort des Gedenkens

In den acht Monaten, die das Lager existierte, starben mindestens 243 Häftlinge – viele von ihnen aufgrund der schrecklichen Lebens- und Arbeitsbedingungen, andere durch direkte Ermordung. 1946 wurden 97 von ihnen auf dem KZ-Friedhof Birnau beigesetzt, nachdem man sie in einem Massengrab verscharrt hatte. An diesem Ort des Gedenkens wird die Versammlung um 17 Uhr beginnen. Redner wie Dominik Männle, Jürgen Wagner, Franco Voghera, Ilona Kwakernaat Peters, Anthony Cipriano und Frederic Striegler werden ihre Gedanken und Erinnerungen teilen, und es wird sicher eine bewegende Atmosphäre entstehen.

Es ist bemerkenswert, dass das Comitato Colle del Lys seit über 40 Jahren in Kontakt mit der VVN-BdA steht. Diese Verbindung ist nicht nur ein Zeichen der Solidarität, sondern auch ein lebendiger Austausch von Geschichten und Erfahrungen. So erinnert die Geschichte daran, dass am 2. Juli 1944 26 junge Männer in Colle del Lys von einer SS-Einheit ermordet wurden. Der Bürgermeister von Rivoli, Carlo Mastri, hat den Kontakt zu deutschen antifaschistischen Gruppen gesucht, um das Gedenken an diese Geschehnisse lebendig zu halten. Veranstaltungen, Ausstellungen, Filme und Tagungen sind nur einige der Formate, die diesen Austausch ermöglichen.

Gemeinsam erinnern und lernen

Die Delegation aus dem Piemont, unter anderem mit Franco Voghera, wird an der diesjährigen Veranstaltung teilnehmen und damit ein weiteres Zeichen für die internationale Verbundenheit im Kampf gegen das Vergessen setzen. Es ist ein wichtiger Schritt, dass wir uns als Gemeinschaft zusammenfinden, um der Opfer zu gedenken, die in der Dunkelheit der Geschichte oft vergessen wurden. Es geht darum, dass wir die Lehren aus der Vergangenheit nicht nur annehmen, sondern auch aktiv dafür sorgen, dass sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.

In Zeiten, in denen die Erinnerung an die Schrecken des Faschismus immer mehr in den Hintergrund zu geraten droht, ist es unerlässlich, solche Gedenkveranstaltungen zu unterstützen und daran teilzunehmen. Es ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine ehrenvolle Geste gegenüber all jenen, die unter dem Regime gelitten haben und die auch heute noch in unseren Gedanken und Herzen weiterleben.