Ein Blick in die Dunkelheit: Schüler:innen des BvSG auf den Spuren der Geschichte in Dachau
Heute ist der 23.06.2026 und ich sitze hier, um über einen Besuch zu berichten, der nicht nur ein Ausflug war, sondern eine Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Geschichte. Schüler:innen des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums Andernach (BvSG) haben vom 8. bis 10. Juni die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht. 54 junge Menschen aus den 10. Klassen waren dabei – neugierig, aufgeregt und vielleicht auch ein wenig verunsichert. Wer kann es ihnen verdenken? Solch ein Ort, an dem die Schatten der Vergangenheit noch immer spürbar sind, ist nicht leicht zu betreten. Die Luft war schwer, die Gedanken noch schwerer.
Im Max-Mannheimer-Studienzentrum nahmen die Schüler:innen an einem Seminar teil, das sich mit der düsteren Geschichte und dem Alltag des ersten Konzentrationslagers der Nazis beschäftigte. Während der Führung kam es zu vielen Fragen und hitzigen Diskussionen. Die jungen Leute wollten verstehen, wie es zu solch Grausamkeiten kommen konnte. Es war offensichtlich, dass sie nicht nur passiv konsumierten, sondern aktiv teilnahmen. Das zeigt, dass die Erinnerungsarbeit einen wichtigen Platz in der Bildung hat.
Gespräch mit einem Überlebenden
Ein ganz besonderes Erlebnis war das Gespräch mit Abba Naor, einem 98-jährigen Überlebenden des Ghettos Kaunas und der Zwangsarbeit in Dachau. Wer hätte gedacht, dass man einem Menschen begegnen kann, der so viel durchgemacht hat? Naor überlebte einen Todesmarsch, während sein Bruder und seine Mutter in Auschwitz ermordet wurden. Die Schüler:innen hörten über zweieinhalb Stunden lang seinen Erinnerungen zu – und man konnte die Stille im Raum fast mit Händen greifen. Naor, geboren 1928 in Kovno (Litauen), erzählte von seiner Zeit im Ghetto und der Deportation ins KZ Stutthof. Die Schilderungen waren nicht nur lebendig, sie waren auch schockierend und bewegend.
„Trotzdem! Leben ist eine feine Sache! Ihr seid die Zukunft! Kann es noch einmal geschehen? Macht die Augen auf!“ Diese Worte waren ein eindringlicher Appell, der in den Köpfen der Schüler:innen nachhallte. Es ist bemerkenswert, dass solche Zeitzeugengespräche bevorzugt an der KZ-Gedenkstätte Dachau stattfinden und besonders für Schulklassen angeboten werden. Die Gedenkstätte schafft damit einen Raum des Lernens, des Verstehens und des Erinnerns.
Unterstützung und Förderung
Die Durchführung des Seminars wurde durch den Lions-Club Neuwied-Andernach und die Stiftung „Für unsere Jugend“ der Kreissparkasse Mayen gefördert. Solche Initiativen sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Die Schüler:innen hatten die Chance, nicht nur von einem Experten zu lernen, sondern auch von jemandem, der das Unvorstellbare überlebt hat. Diese Erfahrungen prägen und formen – sie sind Teil der Bildung, die über das Klassenzimmer hinausgeht.
Wenn man bedenkt, dass Naor mit 13 Jahren im Ghetto in Kaunas lebte und seine Familie zerbrochen wurde, wird einem klar, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu verstehen. Gespräche wie diese werden nicht öffentlich für Einzelpersonen angeboten, sondern sind ausschließlich für Schulklassen gedacht. So wird sichergestellt, dass die Botschaft an die nächste Generation weitergegeben wird. Und die Gedenkstätte nutzt moderne Kommunikationswege, um solche Ereignisse anzukündigen – eine wichtige Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Die Schüler:innen des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums haben etwas Einmaliges erlebt, etwas, das sie mit Sicherheit ihr Leben lang begleiten wird. Solche Besuche sind mehr als nur eine Exkursion; sie sind ein Aufruf zur Wachsamkeit, zur Menschlichkeit und zum Verständnis, dass wir alle Teil dieser Geschichte sind. Und während die Sonne über Dachau untergeht, bleibt die Hoffnung, dass die Lehren der Vergangenheit nicht verloren gehen.
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