Dachau radelt auf den Straßen des Wandels: Der ADFC kämpft für sichere Fahrradrouten
Heute ist der 3.06.2026 und ganz Dachau scheint in Bewegung zu sein. Mit etwa 25 Teilnehmenden fand am Dachauer Bahnhof eine Fahrraddemo des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) statt. Ein Ort, an dem man vergeblich nach einem ordentlichen Fahrradweg suchen kann – und das ist genau der Punkt, den die Demonstranten anprangern. Norbert Bandt, 60 Jahre alt, Systemberater und passioniertes ADFC-Mitglied, hat die Demo ins Leben gerufen, um auf die Missstände im Radverkehr aufmerksam zu machen.
Der Bahnhof, der als zentraler Knotenpunkt gilt, ist für Radler einfach ein Albtraum. Gehwege, auf denen man mit einem Schild „Fahrrad frei“ durchfahren kann, sind nicht gerade das, was sich ein Radfahrer wünscht. Das fordern die Radldemonstranten: durchgehende Fahrradwege, die ein entspanntes Fahren ermöglichen, ohne ständig von der Straße auf den Gehweg wechseln zu müssen. „Das ist ein ständiges Hin und Her, als würde man einen Slalomkurs fahren,“ bringt es Bandt auf den Punkt.
Ein umfassendes Radverkehrskonzept
Bereits 2019 wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich mit der Integration von Radverkehr in die städtebaulichen Planungen beschäftigt. Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) ist dafür verantwortlich und erkennt den Nachholbedarf im Radlnetz. „Die Mittermayerstraße ist da ein gutes Beispiel für die baulichen Herausforderungen“, so Koch. Während er das Radkonzept, das nach und nach umgesetzt werden soll, lobt, drängt Bandt auf mehr Pragmatismus. „Wir müssen bereit sein, Parkplätze aufzugeben, um das Radfahren sicherer zu machen!“
Ein Papier des Fraunhofer-Instituts im Auftrag des ADFC hat gezeigt, dass hohe subjektive Sicherheit eine Voraussetzung für mehr Fahrradfahrende ist. Kristina Schüngel, eine Teilnehmerin der Demo, hat bereits gefährliche Begegnungen mit Autofahrern erlebt. „Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin auf einem Schlachtfeld unterwegs“, sagt sie. Und komischerweise sind viele der Teilnehmenden auch selbst Autofahrer, nutzen aber oft das Fahrrad, weil es einfach schneller ist. Irgendwie paradox, oder?
Das Ziel: Ein harmonisches Miteinander
Das übergeordnete Ziel dieser Demo ist es, ein besseres Nebeneinander von Fahrrad- und Autoverkehr zu schaffen. Die Radfahrer möchten nicht nur sicherer unterwegs sein, sondern auch mehr Akzeptanz im Straßenverkehr erfahren. Die Kritiken an den bestehenden Verhältnissen sind laut und deutlich – und das ist gut so. Wenn wir ehrlich sind, sollte jeder in der Stadt sicher von A nach B kommen können, egal ob auf zwei Rädern oder vier.
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen das Fahrrad als schnelles und umweltfreundliches Fortbewegungsmittel entdecken, könnte Dachau mit einem klugen Ausbau des Radverkehrs punkten. Die Demonstranten haben mit ihrer Aktion auf jeden Fall ein Zeichen gesetzt – und das ist erst der Anfang.


