In der Hochschullandschaft gibt es frischen Wind: Ab dem kommenden Wintersemester startet an der Hochschule Coburg der bundesweit einmalige Studiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“. Dieser innovative Studiengang nimmt sich insbesondere der Sanierung bestehender Gebäude an und setzt dabei auf historische Handwerkstechniken. Das Ziel: Traditionelles Wissen bewahren und gleichzeitig an die Anforderungen modernen, nachhaltigen Bauens anpassen. Wie db-bauzeitung.de berichtet, ist der neue Studiengang das Ergebnis einer Kooperation zwischen der Hochschule Coburg, der Universität Bamberg und der Handwerkskammer zu Oberfranken.
Eine Besonderheit des Studiengangs ist, dass Studierende sowohl einen Bachelorabschluss als auch einen Gesellenbrief anstreben können. Dies ist entweder vor oder begleitend zum Studium möglich und bietet den Absolventen somit eine umfassende Ausbildung in ihrem Handwerk. An den historischen Dombauhütten orientiert, verbinden die Lehrpläne Planung und Ausführung eng miteinander. „Wir müssen unser Wissen über die traditionellen Techniken sichern und auf neue Anforderungen übertragen“, erklärt ein Verantwortlicher des Studiengangs.
Die Herausforderungen des Handwerks
Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels im Handwerk und des drohenden Verlusts wertvollen Erfahrungswissens — bedingt durch den Renteneintritt der Babyboomer-Generation — wird dieser Studiengang noch wichtiger. Der Präsident der Handwerkskammer betont, dass es für viele Betriebe immer schwieriger wird, die nächsten Nachfolger zu finden, obwohl sie durchaus Aufträge haben.
„Wirtschaftlicher Druck im Handwerk tut sein Übriges“, so der HWK-Präsident weiter. Viele Handwerksbetriebe stehen vor der Herausforderung, nicht nur die hohen Auftragszahlen zu bewältigen, sondern auch qualifizierte Fachkräfte auszubilden. Die neue Studienrichtung in Coburg soll dem entgegenwirken, indem sie den Bachelorabschluss als Ausbildung zum Unternehmer fördert – ideal für all jene, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen.
Wachsende Bedeutung von Sanierung und Umbau
Ein weiterer Aspekt, der den Start des Studiengangs beflügelt, ist der wachsende Bedarf an Sanierungen und Umbauten. Angesichts der steigenden Baukosten und knapper werdender Ressourcen wird es immer dringlicher, bestehende Gebäude zu erhalten und nachhaltig zu renovieren. Der neue Studiengang ergänzt damit nicht nur die bereits bestehenden Angebote, wie den Masterstudiengang „Digitale Denkmaltechnologien“, sondern reagiert auch aktiv auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Bauwirtschaft.
Die Immatrikulation für das Wintersemester ist seit Anfang Mai möglich und die Hochschule Coburg erwartet großes Interesse an diesem spezialisierten Studiengang. „Hier zeigt sich ein gutes Händchen für die Zukunft“, freut sich ein Dozent, angesichts der vielversprechenden Perspektiven, die dieser neue Studiengang bietet.